198 V. Clysium über die Nachahmungskunst
streckt. Solltet ihr nicht alle gesagt haben, daßihr keine Portraitmaler wäret, und dennoch diePortrane besser zu malen wüßtet, als alle Por-traicisten? soll man euern Namen nur unter ei-nem einzigen Kopfe gelesen haben, nachdem erschon so viele andre Kunststücke ruhmwürdig ge-macht hat? Wie viele Tempel, Paläste und Städ-te sind nicht durch eure Pinsel verherrlichet wor.den, ohne daß man sich eurer Bildnisse oder Ge-sichter erinnert hatte, die man euch vielleicht inder Zwischenzeit hat verfertigen lassen? Ihr ließeteuch allzu sehr demüthigen., da man eure Verdien-ste nur Gesichtern andichtete, die man noch durchden Sprößlmg eines fremden Sprachbaumö, oderdamit ich mich deutlicher ausdrücke, durch dasV ort Portrait verschönerte. Ein Wort, wodurchi icht nur euer Vaterland, sondern auch alle aus-wärtige Volker überhaupt, alle in der Natur sicht-bare und unsichtbare Gegenstände, wenn sie ge-malt waren, anzuzeigen pflegten.
Van Dyck. Was hätten wir wohl andersthun sollen? die vorgefaßte Meynung faßte tiefeWurzel, und der Irrthum fieng an zu herrschen.Hierzu kam noch die Gewohnheit, der Gebrauch,und endlich nahm eine reizende Mode übcrhand.Das Volk wußte aus der ganzen Malerkunstnichts, als von Portraiten. Wir mußten unsalso des täglichen Brods halber dieser Benennungunterwerfen, die Pallete darnach einrichten, undolle Beschicht-Leinwände, um den Gesichtern Plah
zu