428 Xll. Die Architektur.
große Architect den Hof im Farnesischen Palastmit drey Ordnungen verherrlichet hat.
Wenn nun Jemand dieArchitectur ein halbesJahrhundert studirt, und alle Schriftsteller vondieser Kunst, besonders aber den Vignola, Pal-ladio, Alberti, Serlio, Rttseoui, Scamozziund andre gelesen hat; so entsteht die Frage, ober im Stande wäre, ein so prächtiges, schönesund wunderbares Stadtthor zu erfinden und zubauen, als Michelagnolo zu Rom gemacht hat,worzu ihm der Pabst Pius und das medieeischeWappen Anlaß gab. Es wird eigentlich kortrrxia genannt, und seine ganze Verzierung bestehtin zwey runden Fenstern mit darüber gebogenenSteinen. Mitten in der Höhe unter dem Giebelsind fünf große Kugeln mit einem erhabenenRand umrungen '*). Obgleich nirgends archi-tektonische Regeln beobachtet sind; so entzücktdennoch die wunderbare Neuigkeit durch ihre ein-fältige Pracht den Beobachter.
Der Brunn auf dem Plahe Navona wirdfür das vortrefflichste Werk der berninischcn
Bau-
*) Ein berühmter florentinischer Bildhauer machtemir die Auslegung dieser Verzierung und Gesin-nung des Michelagnolo. Die ; Kugeln nennteer Seifenkugeln, die Fenster Barbiecbecken, mitdarüber Hangenden Handtüchern. Unter dreyaußerordentlichen Entwürfen dieses großen Ge-bäudes erwählte der Pabst Pius den gegenwärti-gen, weil er am wenigsten kostete, und doch dasprächtigste Thor vorstellte. Man sieht, daß Bornarorri mit dem Worte klcckci gescherzt hat.