476 Anhang. ü.Abhandl. v.Mauergemälden
schichte, zum Beyspiel, bereits von sich selbst rei-zend und angenehm wäre, so kann doch das Co-lorik, welches das Stück aus einander setzt, viel-leicht dem Auge des beobachtenden Kenners nichtanständig seyn, mithin keine gute Wirkung ma-chen. Durch genau vereinigte und überein-stimmende Farben entsteht jenes Schöne, welchesalle Augen bezaubert, und in das Herz der Ken-ner eindringt; weil sie die wahre Aenlichkeit derGegenstände aus den eigentlichen Farben hervor-sprießen sehen. Je lebhafter sie also sind, desto-mehr gefallen sie zuvörderst solchen Liebhabern,welche dadurch meistens ihre Zimmer verherrli-chen wollen, folglich, ohne sich bey der guten oderschlechten Zeichnung aufzuhalten, nur die Man.nichfaltigkeit und Reizung der Farben in Achtnehmen. Sie folgen in diesem Fall mehr demAuge, als der Empfindung des Herzens. DieFarben ergötzen durch ihre Mannichfaltigkeit dieAugen so, wie eine wohl übereinstimmende Musikdie Ohren; absonderlich, wenn die hohen, tiefenund mittlern Töne gut zusammenstimmen, undeinen nacy dem Verhältniß der Zeit vereinigtenWohlklang bewirken, welcher die Gemüther inBewegung setzt.
Die Kunst, gut zu coloriren, oder die Farbengeschickt anzuwenden, besteht überhaupt darinn,daß^ wenn sie der Ordnung nach gut gemischt,frisch, und so zu sagen, glühend sind, man dar-aus eine wohl eingetheilte und geschickt vereinigte
Zusam-