Band 
[Theil II.]
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zi8 Anh. IV. Vom Aufnehmen u. Verfalle

Ein solches Lachen giebt zu erkennen, daß dieKunst noch nicht im Verfall sey, sondern zumTrotz dergleichen verwahrlosten Geschmackes sichnoch aufrecht erhalte. Es giebt mehr Beyspiele,welche den Flor der Künste beweisen, wenn gleichein mittelmäßiger Maler, wie Horaz sagt, in seinGemälde, welches einen Cypressenbaum oder eineLondesgegend vorstellt, noch so verliebt wäre, daßer den Raphael zum Zeugen seiner Kunst vorAugen zu sehen wünschte, ihn auch aus dem Llzs-herausforderte, oder auch durch den Mer-kurius an der Hand geführt erschien. Raphaelüberreichte ihm seine Palette und seine Pinsel, undbekannte dabey, daß in allen seinen eigenen Ge-mäloen weder einiger Geschmack, noch etwas Ed-les, weder Schönheit, noch Genie zu finden sey.Er ersuchte den Maler, daß er seine Erfindungenzurechte bringen, seine Zeichnungen verbessern,seine Contrasie und Figuren verändern, und überalle Theile den erhabenen Charakter, den er nichthabe errathen können, ausbreiten möchte. Bit-bete sich nun. ein solcher Maler ein, daß er Ra-phaelen willfahren und ihn nach seinem Verlan-gen bedienen könne; was würde das ganze Reichder Malerkunst von ihm für eine Meynung he-gen? Gesetzt auch, daß er Raphaels Pinsel undPalette ergriffe, so würde man dennoch bald wahr-nehmen, daß sowohl die Farbe als der Pinsel inseiner Hand Saft und Kraft verlieren, und allesrauch, stumpf und hölzern wird.

Sind