gegen den Regenten und den Staat. 527
§. Z62.
Ein Monarch also, der von der Treue seiner Un-terthanen um desto mehr versichert seyn will, mußsich bemühen, die Begriffe der Ehre und eine Nei-gung und Liebe zu derselben in ihnen zu erwecken undzu gründen. Dieses geschieht theils durch eine guteErziehung der Jugend, theils durch die Belohnun-gen und vorzügliche Beförderung dererjcnigen, dieeine währe Tugend und Ehrliebe in ihren Handlun-gen zu erkennen geben. Zuweilen entsteht aucheine Arr der Ehrliebe, und eine daraus abfließendegrößere Treue gegen den Monarchen aus den Sie-gen und Eroberungen die er erwirbt, und worandie ganze Nation Theil zu nehmen gewisser maßenberechtiget ist *). Aus dieser Quelle scheint die vor-zügliche Treue und Liebe der Franzosen gegen ihrenKönig zu entspringen, die sie, ohngcachcct aller Drang-sale, öfters zu erkennen geben.
*) Daß diese Ursache einer größer« Treue in der Thatihren guten Grund habe, kann man unter andernaus den Anhängern des Julius Cäsars wahrneh-men. Dieser war kein rechtmäßiger Monarch;und niemand war ihm Treue schuldig. Allein alleseine Anhänger haben, nach Maaßgebung der Ge-schichte, die allergrößten Proben der Treue erwie-sen, die wahre Unterthanen jemals ablegen können.Die Ursache waren seine beständige Siege. DieMenschen lassen durch dergleichen Vorzüge, so wenigsie auch öfters selbst darzu beygetragen haben, ihreEhrbeqierde sehr leicht aufmuntern, die, wenn sieeinmal erreget ist, Wunder der Beständigkeit wir-ken kann, wie wir an so viel falschen Märtyrern
wahrnehmen.
§. 36z.
Es entsteht aber die Schuldigkeit der Treue derUnterthanen gegen ihren Regenten, so bald, als je-mand die Eigenschaft eines Unterthanes erlangt,
A 4 davon
Man sollalso eine edleEhrliebe mden Unter-thanen zu er,wecke» su-chen.
Die Treueist man ohneKrönung undHuldigungschuldig.