Von dem Postregal, i6i
führen, nicht zu schwer fälst. Man irret sich auch,wenn mall glaubet, daß man durch ein hohes Portodie Posteinkünfte vermehren will. Vielmehr ist esnatürlich, und die Erfahrung hat es genugsam gezeiget,daß die Einkünfte dadurch eher vermindert werden;denn jedermann hütet sich alsdann so viel immer mög-lich sich der Posten zu bedienen; da hingegen bey einemmäßigen Porto öfters wegen. Kleinigkeiten und ausbloßer Freundschaft ein Briefwechsel unterhalten wird.Es ist auch, meines Erachtens, gar nicht rathsam,daß man durch das Verbot, daß die Reisenden keineBriefe mitnehmen sollen *), und andere dergleichenstrenge Maaßregeln die Posteinkünfte zu erhöhen su-chet. Die Postanstalt soll den Unterthanen zur Be-quemlichkeit gereichen, nicht aber zur Einschränkungihrer freyen Handlungen ausschlagen, und es ist wider-ftnnisch, daß man jemanden eine Bequemlichkeit undWohlchat wider seinen Willen aufzwingen will.Wenn auch ein mäßiges Porto genommen wird, unddas Postwesen sonst wohl eingerichtet ist; so hat mandadurch gar keinen Abgang der Einkünfte zu befürch-ten: denn es werden unter denen, die sich der Posthäufig bedienen, gar wenig Menschen seyn, die nichtallemal eher ein paar Groschen aufwenden, als einenguten Freund mit einem Briefe bemühen sollten.
*) Es ist in der That zu verwundern, daß man in ver-schiedenen Landen, bey Kleinigkeiten dieser Art, einesolche Strenge gebrauchet, und die Reisenden scharfvisitiren läßt, ob sie Briefe bey sich haben- Gesetzt,daß auch in einem großen Lande jährlich hunderttausend Briefe von Reisenden mitgenommen wer-den, welches gewiß keine kleine Summe ist. DieHalste davon würde gewiß unterblieben seyn, wennsie hatten auf die Post gegeben werden müssen. Esgehen also dem Landesherrn höchstens etwa» drikte-halb'tausend Thaler jährlich an Posteinkünften ab,«ndjwenn man den Antheil der Pofimeistcr rechnet,vielleicht kaum funfzehen hundert Thaler. Sollte esLameralwissensth. H Th. L nun