Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
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unter der Regierung Ludwigs xui. 4z

Betrachtung, daß sie zu der Zeit, da man dem Ravailiac den Proceß machte, im-

Gefängniß war, und daß es sehr zu verwundern wäre, daß sie nicht alles, was sie 161 l,von dieser Sache wusie, zu der Zeit sollte entdecket haben, da sie selbst in Gefahr war,es mögre das von dem Burggericht wider sie gefällte Todesurtheil bestätiget werden,und da sie hoffen konnte, durch eine so wichtige Entdeckung ihre Begnadigung zu er-langen.

Es ist wahr, daß eben derselbe Schriftsteller anmerket, daß die Fragen, dieman an sie char, ein Äebeimnch geblieben sind. Allein die umständlichen Nachrich-ten von einer solchen Anklage haben allezeit etwas so verhaßtes, daß sie auch alsdennnoch unangenehm sind, wenn der Ungrund davon schon hinlänglich d'acgkthan ist. S»unschuldig also die angesehenen Personen, welche die von Ekouman angeklagt hatte,seyn mogken; so war es doch all zeit ihrem Vortheil und ihrer Ehre gemäß, daß dieAnklage beständig verborgen bliebe.

Die allgemeine Versammlung der Protestanten, welche dieses Jahr zu Sau,mür gehalten wurde, verursachie der neuen Regierung viele Unruhe und Verwirrung.

Sie hatten beständig zween Abgeordnete au dem Hof, welche dc» Vortheil ihrer An-gelegenheiten besorgen musten, und deren Auftrag nicht länger, als drey Jahre dauer-te. Nach Verlauf dieser Zeit muste man eine neue Versammlung halten, um wieder-um andere zu ernennen. Es war gewöhnlich, sechs dem König vorzustellen, welcherunter dieser Anzahl die zween erwählte, die sich an dem Hof aushalten sollten. DieVersammlung zu Srumür war, nach dem darzu ausgefertigten Ertaubnißbrief zu ur-theilen, eigemltch nur deswegen zusammen berufen worden, damit man zur Erneu,nung der Abgeordneten schreiten könnte ; allein zur Zeit der Regierung eines minder-jährigen Königs waren die Protestanten weit davon entfernt, ihre Berathschlaguugeuauf einen so gemeine» Gegenstand einzuschränken.

Ihre allgemeinen Versammlungen bestunden ordentlicher Weift aus siebenzigAbgeordneten; nämlich aus dceysig Edelleuten, zwanzig Geistlichen, sechzehn Aelte,sten oder Abgeordneten des dritten Standes, u:>o vier Abgeordneten von dem Rath zuRochelle. Um nun oieft erst gemeldete Versammlung ansehnlicher zu machen, so wur-den die vornehmsten Herren von dieser Partey gebctten, daß sie derselben beywohnenmögten. Man sahe daselbst anlangen die Herzoge von la Trcmoiüc, von Bouillon,von Sülli, von Rohan, nebst dem Herrn von Soubise, ftincm Bruder, dem Herrnvon la Force, dem Herrn von Chalillov, und ungemein vielen andern vornehmen Her-ren uns Edelleuten von höchstem Ansehen. So bald, als die Abgeordneten zu Sau-rnür eingetroffen, und die Versammlung war angestellet worden, so erwählte man denHerrn von Plcßie«Mornat zum Präsidenten; man gab ihm zum Beysitzer den Predi-ger Charnier; und einer, Namens des Bordes wurde zum Secretär gemacht.

Man muß anmerken, daß gerade zu dieser Zeit der Hof das Iahrgeld des Herr«von Sülli um vier und zwanzigtausend Uvres vermehrte. Dieses könnte vielleicht denArgwohn erwecken, daß man durch diese Freygebigkeit vielmehr suchte, ihn für jeyo zugewinnen und zu besänftigen, als für seine vorigen Dienste zu belohnen.

Es gicng in dem ganzen Königreich die Rebe, daß die Protestanten große An-schläge hätten, welche bey dieser Versammlung ausbrechen sollten. Man sagte, daßsie nichts geringeres verlangte», als daß man ihnen zween Plätze zu ihrer Sicherheit inden Provinzen geben sollte, wo man ihnen noch keine zugestanden hatte; baß man sieberechtigen sollte, zu Unterhalcung ihrer Geistlichen alle die Zehndcn anzuwenden, diesie den katholischen Pfarrern entrichten musten; und daß sie sich durch neue Eidschwüre

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