Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
JPEG-Download
 

i so Geschichte von Frankreich

' Die Königln Mutter erhielt gar bald Nachricht von dem Tode -es Marfchals

l6l7. von Ancre, der fie äußerst bestürzt machte. Sie sahe alsdann ein, daß alle ihreGewalt dahin wäre. Ich habe heben Jahre regieret, sagte fie, nun darf ich annichts mehr, als an die himmlische Krone denken. Eben da sie in der größtenUnruhe war, kam jemand und sagte unbedachtsamer Weise zu ihr, daß man nichtwüßte, wie man der Marschallin von Ancre eine so betrübte Nachricht hinterbringe»sollte, und man fragte sie, ob sie sich selbst die Mühe geben wollte, ihr dieselbe zueröfnen. Diese Rede machte, daß fie die Gcdulk verlohr. Ja- hab« wohl «twaSanderes jetzt zu thun, sagte fie: Wenn man der Marschakim meßt lagen kann,daß ihr Mann ist umgebracht worden, so muß man ibr es in die Ohren fingen.Man sage mir nichts mehr von diesen Leuten; ich hatte ihnen schon lange ge-sagt , daß sie wohl thun würden, wenn sie wieder nach Italien zurück Leh-nten.

Sie erzählte hierauf, daß ihr der Marschal von Ancre eines Tags, da sie ihnantrieb, er sollte sich unverwellt entfernen, zur Antwort gegeben : Warum,Madame, der König siehet mich freundlicher an, als jemalb ; und daß fie ihmhierauf erwiedert harte: Verlaßen Sie sich nicht darauf, der Kvnig jagt Nichtalles, was er denket.

Sie hatte ein überaus großes Verlangen, mit ihrem Sohn zu sprechen. Siebefahl dem Herrn von Breßieux, ihrem ersten Stallmeister , er -sollte zu ihm hinge,Heu und ihn auf das allerinstanoigste bitten , daß er seiner Mutter diesen Trost nichtversagen mögte. Der König gab dem Herrn von Breßieux zur Antwort, er hättejetzt allzuviel zu thun , und er wollte schon ein andermal mir ihr sprechen : Er konnteübrigens fie von seinetwegen versichern, daß er jederzeit die Gesinnungen eines gute»Sohns für fie haben würde. Er fügte hinzu, da ihn E Ott zum König hätte gs»bohren werden laßen, so wollte er sein Reich selbst regieren ; es wäre dienlich , daßdie Königln Mutter, keine andere Leibwache, als die seiuige hätte, und er befahldem Breßieux, ihr seine Meynung wohl zu verstehen zu geben. Einen Augenblickhernach kam Virry und nahm ihr ihre ganze Leibwache weg und stellte dafür Solda-ten von der königlichen Leibwache hin.

Die Königin Mutter ließ sich nicht abschrecken: Sie schickte den Brcßicrrx wie-der zu dem Könige, um aufs neue bey Ihm inständig anzuhalten. Aber so bald ihnLudwig sahe, so ließ er ihm sagen , wenn er wiederum käme, mit ihm für die Kö,nigiu Mutter zu sprechen, so könnte er nur wieder zurück gehen , und er hätte ihmweiter nichts zu sagen, als daß man gut mit ihr umgehen würde. So trocken dieseAntwort auch war , so schickte doch die Königin Mutter den Breßieux noch einmalfort, um zum drittenmal einen Versuch zu wagen. Aber er wurde so übel empfangen,daß Maria von Medicis alle Hofnung verliehrcn mußte, die Gewogenheit, um diesie anhielte, zu erlangen. Der König ließ dem Breßieux sagen , daß man ihn in-Gefängniß setzen würde, wenn er noch einmal wiederkäme. Da die Prir zcßin vo»Conti, welche der Königln Mutter sehr ergeben war, die Betrübniß dieser Fürstin sa-he, so unternahm sie, die Hartnäckigkeit des Königs zu überwinden, und ihr die Zu,sammenkunst mit ihm, welche sie verlangte, zuwcgen zu bringen. Sle ließ den Lüy,nes zu sich kommen und bat ihn auf das einigste, er sollte selbst mir dem Könige spre,chen, um ihn zu einer Unterredung mit seiner Mutter zu bewegen. Allein fie wende»te alle ihre Geschicklichkeit und einnehmende Beredsamkeit vergebens an; niemand warabgeneigter, als er, zum Besten der Königin Mutter mit dem Körfige zu sprechen.