188 Geschichte von Frankreich
"" bete, daß Sie durch die neuesten Nachrichten aus Teutschland in Erfahrung gebracht,
1619. daß sich ein Kriegsfeucr allda entzündet hakte, und daß Sie dahero seine Gegenwartin der Stadt Metz für unumgänglich nothwendig hielten, und ihm auf das ausdrückelichstc befählen, nicht aus gedachter Stadt zu gehen, bis er andere Befehle erhaltenhatte, w.lche ihm so, wie ihm versprochen worden , ertheilet werden sollten, so balddie Umstände es erlauben würden, daß er sich von der Gränze des Königreichs entfer»nete. Der Herzog von Epcrnon antwortete dem Könige, daß er von dem, was inTeutfchland vorgienge, genugsam unterrichtet wäre, nm zu wißen, daß man von die-ser Seite her nichts zu befürchten hätte, und daß er aus allen Fall den Marquis vonla Valetke, seinen Sohn, zu Metz laßen wollte, der sehr wohl im Staude wäre, dienöthigen Befehle in feiner Abwesenheit zu ertheilen. Er beklagte sich hierauf, daßer, seit zwey Jahren, von dem Hofe nichts, als nur blos den Gold eines Obersten,auf zehn Monate Mrlicb, bekommen hätte, welches ihn außer Stand setzte, denfür feine Würde anständigen Aufwand zu machen. Der Brief war datirt zu Metz densiebcnzehndcn Jänner 1619. Dieses beweiset, daß er nicht den sechsten oder siebendendieses Monats, wie der Cardinal von la Valetke in seiner Erzählung anzeigt, sondernvielmehr den zwey und zwanzigsten aus dieser Stadt gieng, wie der Verfaßer seinerLebensbeschreibung versichert.
Man erzählet, daß er, bey seiner Abreise aus gedachter Stadt, sich nicht ent-halten konnte, zu sagen Ich werde nun den verwegensten Streich, so ich je-mals in meinem Leben gekban, ausführen. Die, so solches hörten, bildeten sichein, daß er seine Abreise aus Metz, wozu er von dem Könige keine Erlaubniß hatte,damit meynete; denn mau wußte noch nicht» von dem Anschlag, den er gefaßet hatte,die Königin Mutter zu befreyen. Er hatte den Erzbischof von Toulouse vorher abrei-sen laßen, und er ließ den Marquis von la Valetke, seinen zweyten Sohn , in Metzzurücke, mit Befehl, die Stadtthore etliche Täge nach seiner Abreise versperret zuhalten. Als er durch Bourgogne gieng, so trug cr einem Officier auf, er sollte vouseinetwegen dem Herzog von Bellegarde berichten, daß ihn der Hunger aus Metz ge-trieben hätte und ihn nöthigte, sich auf seine Landgüter in Xainkonge und AngsumoiSzu begeben. Er bat diesen Officier, er mögte seinen Brief nicht durch einen eigenenCourier überschicken. Der Officier versprach es ihm ; aber er hielt sein Wort in An-sehung des Couriers nicht : Denn er schickte einen ab, und dadurch erfuhr der Hof,daß der Herzog von Epcrnon von Metz abgereiset wäre. Man wußte es zu Parisnoch nicht, ob er gleich beynahe schon acht Tage unterwegs war.
Die unvermuthete Abreise dieses Herzogs verursachte viele Bestürzung. DerKöitkg sagte öffentlich, er hätte jederzeit gedacht, daß der Herzog von Epcrnon, wennman ihm die gesuchte Erlaubniß abschlüge, sich solche selbst nehmen und ohne Befehlabreisen würde.
Der Herr von Lüynes vermuthete wohl, daß der Herzog von Epcrnon diese^ Reise nicht ohne eine geheime Absicht unternommen hätte, die er noch nicht entdeckte:Da er aber von seinen Verbindungen und Traktaten mit der Königin Mutter nichtdas geringste wußte, so dachte er nicht, daß es darauf angesehen wäre, diese Fürstinin Freyheit zu setzen. Er beschloß, einen vertrauten Mann zu dem Herzoge zu schicken,der ihn zu gewinnen trachten, und ihm alle Genugthuung versprechen sollte: Aber eswar zu spät.
-S 4 Llsrcure t. s.