Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
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unter der Regierung Ludwigs xm. 279

Mühe, ihn zu bereden, daß er einen oder zween Tage in dem Bette blieb, und sichnicht bey den Angriffen einkande, welche, in seiner Abwesenheit , von dem Prinzenvon Condee und von dem Marschal von Praslain commandirt wurden. Dieser letzterewurde zum Gcnerallieutenant der Armee, unter den Befehlen des Prinzen von Con-der, erklärt. Aber der König ließ sich von allem Bericht abstatten ; er hatte seinQuartier in einem Baucrnhauö , worinnen nur ein Gemach, nahe an dem Dache,welches unbedeckt war, sich befände, in welches man auf einer Leiter hinaufsteigenmußte. Unten war ein elendes Gewölbe, aus welchem man den Saal für die Leib-wache machte *55.

Nachdem die Batterien aufgerichtet waren, so gab es bald Sturmlücken inden Mauren von Negrepeliße, welche keine von den stärksten waren. Die Stadthakte keine Stücke, und es waren nur einige auf dem Schloß. Als man die Ein-wohner aufforderte, sich zu ergeben, so verlangten sie vier und zwanzig Stundenzur Bedenkzeit, und ohne zu warten, bis diese Zeit verstoßen wäre, schoßen sie aufdie königlichen Truppen, und machten Anstalten zu einer mukhigcn Vertheidigung.So gar die Weibspersonen, die hartnäckiger und erbitterter waren, als die Männer,ließen sich auf den Sturmlücken sehen und arbeiteten mit einem unerschrockenen Muthan der Wiederherstellung derselben. Der Verfaßer des XlLrcure kran^ois giebt vor,er habe Berichte gesehen, welche meldeten, daß die Belagerten, bey dem ersten Gc-praßel des schwehren Geschützes, einen Verglich zu schließen verlangten; daß sie abererschreckt wurden, als man ihnen antwortete, daß keln Vergleich zu hoffen , und daßman enkschloßen wäre, sie wegen der Ermordung der vierhundert Soldaten von demRegiment von Vaiüac, welche sie umgebracht hatten, zu bestrafen. Diesem Vorge-ben wird in den Denkschriften des Baßomplerre förmlich widersprochen, in welchen manliefet, daß die Einwohner sich durchaus nicht ergeben, und nickt einmal wegen einesVergleichs in Unterhandlung treten wollten, ob man sie gleich öfter, als einmal,dazu eingeladen hatte, weil man nicht gesonnen war , sich vor diesem kleinen Orteaufzuhalten.

Bernard versichert, daß der Cardinal von Retz dem König riethe, er solltegegen diese Unglückliche gelinde verfahren; daß ihm aber hingegen der Prinz von Con-dee vorstellte, das Verbrechen , so fie begangen, verdienet? eine solche Strafe, dieandern zum Exempel dienen könnte; und daß er , um seine Meynung zu unterstützen,daß Gebetbuch des Königes, der eben die Meßc gehöret hatte , nahm, und ihm inden Stücken aus der Bibel, die auf selbigen Tag zu lesen verordnet waren, zeigte,daß Samuel dem Sau! im Nahmen GOttes befohlen hatte, alle Amalekktcr auszu-rotten , und daß Saul gestraft wurde, weil er einem Befehl zuwider gehandelt hakte,der keinen Aufschub und keine Ausnahme litte. Der König war darinnen mit ihmeinig, daß eine so hartnäckige Aufruhr ohne Zweifel die schärfste Strafe verdienet?;aber er fügte hinzu, daß diese Strafe nur die Hauptverbrecher treffen sollte. Er ver-bot vornehmlich, wieder Geschichtschreiber Bernard vorgiebt, die gewaltsame Schän-dung der Weibspersonen und das Anzünden der Stadt. Allein seine Befehle wurdenschlecht vollzogen, und es war nicht möglich, der Wut der Soldaten Einhalt zu thun,welche die Einwohner von Negrepeliße auf das äußerste haßecen.

D-ese Stadt wurde, den zehnden Iunius, des Abends, mit Skurm erobert,obgleich das schwehre Geschütz des Schloßes beständig fort auf die Skurmlücke feuer-te. Das Leibrcgiment kam zuerst hinein, und alles , was man antraf, wurde auf

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