Band 
Funfzehnder Theil. Vom Jahre 1643. bis 1715.
Entstehung
JPEG-Download
 

io8

Historisches Tagbuch

167;.

Jänner.

>r.

Jäns.

r-. Iänn.

,7. M.

über unsere Generale selbst stutzten: allein sie verließen sich allzusehr auf seine Klugheit,als daß sie diese Marschordnung hätten tadeln sollen; und sie sahen auch bald den Grunddavon ein. Er ließ Türkheim angreifen, und eroberte es; und nachdem er seine Trup»pen über den Fluß hakte gehen laßen, so fand es sich, daß er selbst den Feinden in dieSeite kam. Sie schickten ein starkes Dckaschement von ihrer Infanterie ab , welchesauf die Franzosen stieß, da sie eben aus einem kleinen Thale herauskamen. Es fiel all«da ein blutiges Treffen vor, in welchem die Deutschen geschlagen und zurückegctriebenwurden. Der Marquis von Moußi, Oberster über das Regiment der Königinn undBrigadier, ingleichen auch der Generallicutcnant Foucaut, wurden dabey getödet.

Da der Churfürst von Brandenburg jähe, daß der Marschal von Türenne seinerArmee in die Seite kam, so brach er gleich in der folgenden Nacht auf, ließ Colmarund den Proviantvorrakh, so er allda hatte, im Stiche, und zog sich gegen Schletstadt.Man erfuhr sechs Tage darauf, daß der Churfürst von Brandenburg und die andernFürsten, die mit ihm über den Rhein gegangen waren, bey Srraßburg, mit ihrenTruppen, die sich ohngefähr noch auf zwanzigtauscnd Mann beließen, wieder hinüber-marschirtcn. Dieses war der Überrest von lechzigtansend Mann mit welchen sie in El-saß eingefallen waren; die andern waren alle theils getödet, theils gefangen worden,oder auf andere Art umgekommen, oder sie mußten in einigen Plätzen jenseit des Rheinszurückebleiben, welche nach dem Abzüge der Armee erobert wurden.

Unterdessen machte der König von Schweden eine Diversion zum Vortheil derKrone Frankreich, aber mit schlechtem Nachdrucke. Der Krieg brach hierauf zwischendiesem Fürsten und dem Könige von Dänemark aus, und wurde mit abwechselndenGlücke geführet.

Der Marquis von Vaubrün erobert Dachstein irr Elsaß/ in vier Tagen, aufDiskretion. Der Marquis von la Ferree wurde dabey getödet.

Nachdem der Marschal von Türenne alle Feinde, so noch in Elfaß zurückgeblie-ben waren, hinausgejagt hatte, kam er wieder an den Hof; und von dar reisete ernachqehends ab, um seine Armee zusammenzuziehen. Der Kaiser stellte ihm in diesemFeldznge seinen berühmtesten und geschicktesten General, den Grafen Montccuculi, miteiner weit stärker» Armee, als die französische war, entgegen. Der Marschal von Tü-renne sorgte für die Festung Philippsburg, indem die Feinde aussprengten, daß sie die-selbe belagern wollten. Seine Haubkabsicht aber qkeng dahin, ihnen die Communica,tion mit der Sradt Straßburg, welche ihnen, ungeachtet der angenommenen Neutral:',tät, Lebensmittel lieferte, abzuschneiden, und sie dadurch zu einen: Treffen, oder zumAurückzuge über das Gebürge zu nöthigen. Er gien z über den Rhein, ungeachtet derWachsamkeit des Generals Montecueuli, welcher in zie nliche Bestürzung darüber ge-rieth ; und nahm Wiistädt, Oberkirch -n und Urlaf ein, und verschanzte sich an demUfer des Rheins. Man wendete etliche Tage über alle nur erstnnliche Kriegsränke an,indem die beyden Armeen einen großen Mangel an Lebensmittcln und an Futter für diePferde litten; jedoch die Deutschen noch mehr, al§ d'e Franzosen. Mau versichert,daß der Marschal von Türenne dem Könige berichtet, er hätte nun die Feinde, wo ersie wollte; und man erfuhr auch in der That, daß Montecuculi seine Bagage schon indas Gebürge fortschickte.

Tod des MarschalS von Türenne.

Die Armee, welche er commandirte, war nur zwanzigkaufend Mann stark;die kaiserliche, unter dem General Montecuculi war um sechs bis siebentausend Mann

stärker.