der Regierung Ludwigs xrv. »09
starker. Der Marschal von Türenne hatte vor sich ein sehr dickes Gehölze, durch wel-ches er einen Weg machen ließ, um zu den Feinden zu kommen. Der Marquis vonSamt - Hilaire hat in seinen Deukschrifften»' die Ordnung dieses Marsches ausführlich er»zahlet, weil sie ihm besonders merkwürdig schien. Die Vormachen der Armee marschir»ten zuerst, hierauf kam ein Regiment Dragoner und zwey Escadrons Reitcrey , zweyStücke nebst der nöthigen Zugehör, zwey Bataillons und zwey Escadrons Reiterey,wiederum zwey Stücke nebst der nöthigen Zugehör, zwey Bataillons, zwey EscadronsReiterey, zwey Stücke nebst der Zugehör; und sodann der ganze übrige Theil der Ar-mee und der Artillerie, in der gewöhnlichen Marschordnung. „ Diese nämliche Ord-„ nung, schreibt er, wurde auch in den folgenden Marschen, bis zu dem Tode des„ Herrn von Türenne beobachtet. Nachdem man durch das Gehölze marschirt war,„ kam man in eine freye und offene Gegend, wo sich die Armee in Schlachtordnung„ stellte, ungeachtet keine feindlichen Truppen zum Vorschein kamen. „ Man blieb dieganze Nacht durch in dieser Stellung, und den folgenden Tag befahl der Marschal vonTürenne, daß man einen Infanteriepostcn in eine in der Nahe befindliche Dorfkirchelegen sollte. Dieser Befehl ward nicht vollzogen, aus Versehen des Gcncralwachmei»sters, der denselben empfangen hatte. Die Feinde kamen uns zuvor, und legten indieses Dorf zweyhundert Mann Infanterie und ohngefahr tausend bis zwölfhundcrtPferde. Als der Marschal von Türenne vernahm, daß die Feinde dieses Dorf besetztharten, schickte er einige DetaschementS Infanterie ab, um sie wieder hinauszirtrek-ben. Bald darauf aber meldete man ihm, daß noch ein Corps Reiterey auf der Sek-te des Dorfs zum Vorschein käme; er schickte daher das Dragoncrregiment der Köni-ginn, zwölf bis fünfzehn Escadrons, acht Bataillons und zwey Canonen dahin, und erritte selbst im Galopp darauf zu. Die Feinde hatten sich in dem Kirchhofe, bey dieserDorfkirche, gefetzt. Türenne ließ sie durch diejenigen, welche am ersten angelangt wa-ren , angreifen; sie hielten sich aber so lange darinnen, bis man eine Batterie aufge-richtet hatte, und sie mit Canoniren Hinaustrieb. Sie zogen sich in die Kirche; aberunsere Truppen brachen hinein, und sie wurden fast alle niedergemacht oder gefangen.Als die feindliche Reiterey, welche herbcykam, sahe, daß die in der Kirche überwälti-get waren, und daß die französische Reiterey vorrückte , um sie anzugreifen, mußtesie still hallen. Der Marschal von Türenne hielt nicht für rathsam, einen allgemeinenAngriff zu thun: er nahm nur etliche Escadrons, lind führte sie zu dem Dorfe Saßbach,deßen Kirche von den Feinden mit einem Infanteri'eposten besetzt war. Der Marschalließ den Officier, der darinnen commandirte, auffodcrn ; allein er gab eine abschlägigeAntwort, weil sein Posten ziemlich vortheilhafft war. Der Marichal von Türenne, derweder Infanterie noch Stücke mit sich genommen hatte, hielt es für eine Vermeßen-heit, einen Angriff zu wagen, und gieng daher wieder in sein Lager zurücke, mildemVorsätze, den folgenden Tag seine ganze Armee gegen Saßbach marschiern zu laßen,indem er auf dieser Seite der kaiserlichen Armee bcykommen wollte. Er hatte den Gra-fen von Lorges in einem verschanzten Lager bey Birsch zurückegelaßen; und nun schickteer ihm den Befehl, mit seinen Truppen und Canonen zu ihm zu stoßen. Er stellte sich«m die Spitze des Vortrabs, und ließ die ganze Armee nach Saßbach vorrücken, wo siegegen fünf Ühr des Morgens anlangte. Man fetzte sich in die nahe bey der Kirche ste-henden Häuser. Die Kirche war mit sehr hohen und dicken Mauern umgeben, welcheman, in einer ganz geringen Entfernung, mit den Stücken beschoß; allein sie thatenschlechte Wirkung, weil die Mauern, nach Proportion ihres CaliberS, zu dicke waren.Der Marschal von Türenne, der solches bemerkte, ließ den Artillerieofficieren den Be-
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