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Historisches Tagbuch
-fehl überbringen, daß sie das Canonenfeuer vermindern sollten, damit sie nicht ihr
1675. Pulver und ihre Kugeln zur Unzeit verschießen möchten.
Damals ließen sich zum ersten einige feindliche Truppen auf den Anhöhen sehen.Der Marfchal von Türenne, der sie wahrgenommen hatte, kam selbst zu den Batte-rien, und befahl dem jungen Samt« Hilaire, er sollte nicht mehr schießen laßen ; undsodann sagte er zu ihm, er zweifelte nicht, daß die ganze feindliche Armee anruckte,um ein Treffen zu liefern. „ Ich will meinen linken Flügel, fugte er hinzu, so na,„ he an Saßbach stellen , als er mir möglich seyn wird; und den rechten gegen„ das Gebürge zu. Reiten Sie längst dieser Fronte hinunter , und sehen Sie, w»„ man unsere Artillerie am besten unterbringen kann. So bald Ihr Herr Vater„ kommt, so führen Sie ihn auch hin, damit er sehe, ob die ausgesuchten Plätze be-„ guem dazu sind ; und laßen Sie sodann die Canonen hinführen : denn die Sache„ kann in kurzem sehr ernsthafft werden. „
Samt- Hilaire vollzog diesen Befehl ungesäumt. So bald sein Vater kam,führte er ihn zu den Plätzen, die er für die Batterien bequem erachtet hatte, undman führte die Canonen eilfertig dahin. Unterdessen stellten sich die beyderfeitigenTruppen nach und »räch, wie sie kamen, in Schlachtordnung, und die Feinde hatte»schon zwey kleine Feldstücke aufgeführt, aus denen sie anfiengen zu schießen. Der jungeSamt - Hilaire sagte zu seinem Vater, man sollte sie wohl Lurch Losbrennnng unsererganzen Artillerie zum Schweigen bringen. Der Vater ließ sich diesen Vorschlag gefal-len, und man machte schon Anstalten dazu, als der Generalquartiermcister, Graf vonRoye, der dieses gewahr wurde, zu dem Marquis von Saint - Hilaire kam, und ihnbath, er möchte mit diesem Vorhaben einhalten, weil unsere Reiterey, die sich inSchlachtordnung stellete, dem Feinde sehr im Gesichte wäre, und dieses Feuerihr die ganze feindliche Gegcnsalve zuziehen würde. Hierauf gab der Marquis vonSamt-Hilaire, der das daraus erfolgende Unglück nicht vorhcrsehcn konnte, denCon-stabeln Befehl, die Stücke nicht loszubrenncn; und die Artillerieofficicre, die nunnichts mehr zu thun hatten, betrachteten die Bewegungen der feindlichen Armee, dieihnen unordentlich und verwirret vorkamen. Sie erblickten sogar ein wenig weit hin,ter dieser Armee eine Colonne Bagage, und einige Truppen, so in einen Weg durchdas Gebürge marschirten, um in das Würtembergische zu kommen; weswegen sie dannauf die Gedanken verfielen, -aß die Feinde nicht gesonnen wären, ein Treffen zu lie-fern , sondern daß sie sich vielmehr zurückziehen wollten. Der junge Saint- Hilaire,welcher sähe, daß seine Gegenwart bey den Batterien unnöthig war, machte sich dieZeit, so er hatte, zu nutze, und begab sich zu dem Marfchal von Türenne, um ausden Befehlen, die er von ihm bey dieser wichtigen Gelegenheit hören würde, etwaszu lernen. Dieser General war auf dem linken Flügel, bey dem Dorfe Saßbach,an der Spitze seiner Infanterie. Saint - Hilaire fand ihn unter einem Baume sitzend,auf den er einen alten Soldaten hatte hinaufsteigen laßen, um desto beßer zu entde-cken , was die Feinde, auf dieser Seite für Bewegungen machten. Sobald der Mar-schal ihn erblickte, so fragte er ihn, wo er herkäme, und ob nichts neues zu bemer-ken wäre. Saint - Hilaire gab ihm zur Antwort z er käme von dem rechten Flügel;man hätte allda eine feindliche Colonne Infanterie mit etlichen Estadronö zur Sei-te wahrgenommen, und so viel man aus der Wendung derselben schließen könnte, sowürde sich dieselbe wohl an einen ausgeschwemmten Graben vor dem rechten Flügelziehen wollen, um eine Ziegelhütte nebst etlichen Häusern mit Obstgärten , so daselbststünden, zu besetzen.