2 . GRUNDLAGEN DES WISSENS.
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soll streben, sich klar zu werden, wie viel und was man, beider Begründung unseres Wissens über die Natur, der einen undanderen Erkenntnissquelle einraumen will.
Wir finden in unserem Bewusstsein, gleichviel wie sie ent-standen sei , die Vorstellung einer Aussenwelt. Dass dieser Vor-stellung etwas Wirkliches entspreche, dass sie nicht ein Traumsei, kann nicht bewiesen, es muss geglaubt werden, und diesesGlauben stützt sich auf eine gleich feste innere Ueberzeugung,wie das an unser eigenes Dasein. In wie fern unsere Vorstellungder Aussenwelt der Wirklichkeit entspreche, lässt sich nicht ent-scheiden und jede Speculation hierüber ist haltlos; wir müssendie Natur nehmen wie sie uns erscheint, wie unser Organismus,wie unsere Denkformen es mit sich bringen. Beide nämlich,der Organismus und das Denkvermögen sind bei der Erzeugungjener Vorstellung thätig ; sie ist nicht nur das Erzeugniss pas-siver Empfängniss sinnlicher Eindrücke, sondern auch der activenMitwirkung des Geistes. Die sinnlichen Eindrücke, die alsEmpfindung zum Bewusstsein gelangen, sind zunächst nur Zu-stände, Erschütterungen, oder sonstige Eigenschaften unsererNerven. Wie aus dem Reiz der Tastnerven die Empfindung vonwarm und kalt, von Schmerz und Lust, aus der ungleich schnellenErzitterung der Gehörnerven die Empfindung hoher und tieferTöne, aus derjenigen der Sehnerven die Empfindung verschiedenerFarben, von hell und dunkel, von Grenzlinien und Figuren her-vorgeht, wissen wir nicht.
Wollte man aber bei dieser Vermittlung zwischen Nerven-reiz und Empfindung die Mitwirkung der Seelenthätigkeit inZweifel ziehn, so kann sie unmöglich abgewiesen werden beidem ferneren Act, des Uebergangs von der Empfindung zurVorstellung einer Aussenwelt. Diese Vorstellung setzt die desRaumes voraus, und diese kann nicht eine aus den Sinnes-eindrücken abgeleitete sein, wenn sie auch erst durch dieselben,klar zum Bewusstsein kommt; denn die Vorstellung des Raumes