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Einleitung in das Studium der Physik und Elemente der Mechanik / von B. Studer
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6. GESCHICHTE DER MECHANIK.

hatte, blieben bis in späte Zeiten alle Grundbegriffe unklar undirrthiimliche Vorstellungen führten zu falschen Folgerungen. Selbstin unserer Zeit trägt häufig die Darstellung noch die Spuren desUrsprungs der Wissenschaft aus der Technik und Maschinenlehre.

Der Begriff der Kraft war nach der Erfahrung der Muskel-kraft, die im Innern unseres Körpers wirkt, entstanden. Ari-stoteles fand es daher schwer erklärbar, wie eine unbelebte,von der Hand bewegte Masse, auch nach der Trennung vtfn derHand, sich fortbewegen könne. So wie ferner die Muskelkraftnach und nach schwächer wird, so, glaubte man, müsse auchjede Bewegung allmählig langsamer werden und zuletzt aufhören.Die Fortdauer der Himmelsrotalion erklärte Aristoteles, indemer sie eine den vollkommneren himmlischen Substanzen natürliche ,da der Kreis auch die vollkommenste Linie sei, die gcradliniglehorizontale dagegen eine gewaltsame nannte. Sowohl der Begriff'der Kraft, als das Princip der Trägheit w r aren demnach unklaraufgefasst, oder ganz verkannt worden Noch weniger batte mansich über den Begriff einer stetig wirkenden Kraft und über dieanderen Grundsätze verständigt. Die zunehmende Geschwindig-keit eines fallenden Körpers, die abnehmende eines aufsteigenden,erklärte man dadurch, dass man die erstere Bewegung einenatürliche d. h. dem Wesen des Körpers angemessene, diezweite eine ihm widerstrebende, unnatürliche nannte, indemman wieder den Sitz der bewegenden Kraft in dem Körper selbst,statt ausserhalb suchte. Aus gleichem Grund glaubte man bisspät, dass die Körper um so schneller fallen, je grösser ihrGewicht sei. Noch Tartaglia nahm an, ein abgeschossenerKörper folge zuerst einer geraden Linie und zuletzt einem Kreis-bogen, während Andere behaupteten, er folge der geraden Linie,bis seine Geschwindigkeit erschöpft sei und falle dann senkrechtnieder. Selbst Kepler 7 ) hatte noch sehr verworrene Begriffe;er verkannte das Princip der Trägheit und glaubte, eine fort-dauernde Bewegung könne nur durch anhaltend wirkende Kräfte