übertrieben werden können.
9 l
von einer freyen und vollkommenen Gesellschaft , welche ist ein allgemeiner fiill-schweigender Contraci , woraus durchgehends zwischen allen denen , welche die Gesell’,schast ausmachen , wechselseitige und verhältnismäßige Dicnße entspringen.
Wo demnach irgend jemand gefunden wird, von dem kein Mensch ab-hängt, und der von jedem Menschen abhängt, wie solches der Fall mit sol-chen Leuten ist, die gerne für ihr Brod arbeiten wollen, aber nirgend Arbeitfinden können, da ist ein Bruch des Contracts, da ist ein Misbrauch. Ebenso, wenn wir uns jemand vorstellen können, der gar nichts anders thut, alsdaß er sich füttert, und der von niemand abhängig ist, gleich wie niemandvon ihm: so verlieren wir die Idee von einer Gesellschaft, weil hier keine wech-selseitige Verbindlichkeiten zwischen einer solchen Person und den andernGliedern der Gesellschaft vorhanden sind.
Diejenigen, welche wollen, dass alle Einwohner eines Landes sich aufden Ackerbau legen sollen, werden sagen, man könne ja nicht alle seine Zeitauf diese einzige Beschäfftigung wenden, und folglich in der Zwischenzeit sicheinander die übrigen nothwendigen Bedürfnisse verschaffen.
Ich gebe willig zu, dass einer, der den Ackerbau lediglich zum Behufseiner eigenen Subsistenz triebe, eine Menge müffiger Stunden dazwischenfinden würde. Aber die Frage ist, ob man, nach den Regeln einer guten Oe-konomie, eine solche Person nicht besser beschäfftigte, wenn man sie anhielte,andre lieber mit Nahrungsmitteln , als mit Bedürfnissen andrer Art, zu versor-gen. Liefert er Nahrungsmittel, so verschafft er ein wirkliches Bedürfnis?und die Erfahrung zeigt, dass es bester ist, sich nur Einem Gewerbe zu wid-men, als sich mit verschiedenen abzugeben.
Hieraus schließe ich, daß der beste Weg, die Mitglieder einer freyenSocietät zusammen zu vereinigen, dieser sey, die wechselseitigen Verbind-lichkeiten zu vermehren, und eine allgemeine Abhängigkeit des einen vornandern zu stiften. Diese Absicht lässt sich nicht füglicher erreichen, als wennman einer gewissen Anzahl Einwohner die Verschaffung der für alle übrigenerforderlichen Quantität Lebensrnittel zueignet, und das Fiebrige unter gehö-rige Classen vertheilt, welche alle andre Bedürfnisse zu liefern haben. Ichbehaupte ferner, daß diese Vertheilung nicht nur die vernünftigste ist, son-dern daß sich auch die Menschen natürlicherweise dieselbe ganz gern wer-den gefallen lassen; dahingegen die, welche keine besondre Beschäfftigung ha-ben, allemal elende Leute sind, und gewesen sind. Man