Q2 XIV. Capitel. Wie der Ackerbau und die Bevölkerung
Man muß aber aus diesem Difcurs nicht schliessen, daß es einem Staateallemal nachtheilig sey, wenn eine oder andre Classe seiner freyen Arbeitersich zufälligerweise mit dem Ackerbau abgiebt.
Man findet in jedem Lande eine solche Mannigfaltigkeit der Umstände,daß auch die vollkommenste Theorie, welche man vorlegen kann, mangel-haft erscheinen muß, wofern man kein besondres Talent hat, die Grundsätzeso gegeneinander zu halten und zu vergleichen, dass sie auf jedes Verhältnispassend werden.
Auch müssen wir nicht den Schluß machen, daß es in schlechtcultivir-ten Ländern, wo die Industrie erst anfängt Wurzel zu schlagen, staatsklug ge-handelt seyn würde, wenn man die Ackerleute und die freyen Arbeiter in An-sehung ihrer Wohnplätze sogleich auf einmal voneinander trennen wollte.Plötzliche Veränderungen sind einem Lande allemal nachtheilig, und ein guterStaatsmann führt feinen auf die Vollkommenheit abzielenden Plan nur nachund nach sluffenweisc aus.
Findet er, daß, wie solches der Fall bey rohen und uncivilisirten Socie-täten ist, Viele theils mit Verschärfung des Unterhalts für ihre eigene Familie,theils mit andern nützlichen Handthierungen beschäfftigt sind, so kann er ali-mälich so viele, als ihm möglich ist, von jedem andern Zweige der Industrie,nur nicht vorn Ackerbau, wegnehmen. Je wohlhabender diejenigen sind, diesich auf den Ackerbau legen, desto tauglicher sind sie, diesen Zweig zu großscrer Vollkommenheit zu bringen. Die Ländereybesitzer seilten durch alleersinnliche Mittel ermuntert werden, die Landw irthschaft zu cultiviren. Manhat in allen Weltaltern diese Lebensart ehrliebenden Männern anständig gehal-ten, und sie schickt sich ungemein wohl zum Rang, Interesse und Zeitvertreibder Edelleute.
Der nächste Schritt, den hierauf der Staatsmann thun muss, bestehtdarin, daß er Manufacturen im Lande einführe, und denen davon erhaltenenüberflüssigen Waaren auswärts einen leichten Absitz verschaffe. Die Lockungeines Gewinnsts wird gar bald einen jeden bewegen, sich demjenigen Zweigeder Industrie zu widmen, der ihm am besten in seinen Händen gelingt. Durchdiese Mittel werden sich Viele auf Manufacturen legen , und vorn Ackerbauabgehen 1 , andre werden sich mit ihren Manufacturen aufs Land setzen, undneben her kleine Stücke Feldes anbauen, um sich mit Graswachs für ihr Vieh,
und