334 XX. Capitel. Vorn Luxus..
dass meine Definition des Luxus wenigstens das wesentlichste Erfordernis, ihnzu bestimmen., in sich fasse, nämlich di Q Pierschaffung überflüjßgerSachen, zumBehuf der Consumtion. ■ Dieser Umstand läßt sich nie von der Vorstellung, diewir uns vorn Luxus machen, trennen: aber eine schlimme Ausschweifungdürfen wir uns nicht allemal dabey gedenken. Ein Mann, der sehr nüchternlebt, kann eine eben so köstliche Tafel halten, als der größte'Schwelger;und ein-tugendhafter Mann kann die Vergnügungen der Liebe und eines ge-mächlichen Lebens mit eben so vieler sinnlichen Wollust gemessen, als He-liogabalus. Aber kein Mensch kann (in dem Verstände, wie wir das Wort Lu-xus nehmen) Luxum treiben, ohne zugleich denIndüstriösenBrod zu geben,Ohne zugleich den Wetteifer in der Industrie und dem Ackerbau zu befördern,und ohne zugleich zur Circulation eines, jedem Dienste angemessenen Aequi-valents etwas beizutragen. Dieses letztere ist das Schutzheiligtum der Freiheit,,die Quelle einer sanften Dependenz, und das angenehme Band, welches freyeSocietäten zusammen verknüpft.
Ich will mein Capitel mit einer metaphysischen Anmerkung schließen.Wir bedienen uns der Wörter, um Ideen auszudrücken; je simpler eine Ideeist , desto leichter läßt sie sich ausdrücken. Wenn also eine Sprache ver-schiedene Wörter hat, so dürfen wir glauben, daß die dadurch
angezeigte Idee nicht einfach sey. Bey jeder solchen Gelegenheit erzeigt manden Wissenschaften einen Dienst, wenn man die Wörter so wenig, als mög-lich ist, synonymisch macht, sondern bey jedem Worte den besondern Un-terschied bezeichnet, den seine Idee mit sich führt.
Um nun auf die Sache zu kommen, von der hier die Rede ist, so findeich, daß die Wörter Luxus , ßnnliche Wdluß ( Senfusdtiy ) und Ausschweifung imAufwand insgemein für Wörter von einerley Bedeutung gehalten werden, un-geachtet jedes sein charakteristisches Unterscheidungszeichen hat. Der Luxurbesteht in fax Anschaffung der Gegenstände der finnlichen Wollust , insofern selbigeüberßüfftgßnd. Die ßnnliche Wclluß besteht im wirklichen Genuß solcher Gegen-ßiinde; und Ausschweifung führt einen Misbrauch des Gcmffes mit sich. Es kannalso, zufolge dieser Definitionen, jemand sehr luxuriös seyn aus Eitelkeit, ausHochmuth, aus Pralerey, oder auch aus einer politischen Absicht, anderedurch sein Beispiel zu einer grossem Consumtion aufzumuntern, ohne daß erdeswegen eine Neigung zur sinnlichen Wollust trägt, oder in Ausschweifun-gen