Band 
I. Band.
JPEG-Download
 

4.38 XXIX. Cap. Gradation der Handlung mit A uswärtigen.

Man könnte hier einwenden, dass ja diese Nation ihren Nachbarn ebenso viel Galanterien von andrer Art dagegen senden könne. Wahr isls, undes wäre ein Glück für sie, wenn sie dieses thun könnte: aber alsdann müßtenwir auch voraussetzen dürfen, dass beide Nationen in gleichem Grade zierli-che Arbeit lieferten, und ferner, daß jede derselben an den zierlichen Produ-cten der andern einen Geschmack fände. Nun kann zwar wirklich der Ge-schmack des einen Landes beiden Nationen gemein seyn: allein, es kann sichauch zutragen, dass der Geschmack der einen Nation nicht der Geschmackder andern Nation ist, ob er gleich vielleicht, nach der Meinung einer drittenPartey, nicht schlechter ist. Der Unterschied kann daher rühren, dass dieLeute des einen Landes in das andre reisen, wo die Einwohner in ihrer Hei-mat bleiben 5 ein Umstand, welcher für das Land der Reisenden sehr nach-theilig seyn würde, wenn nicht ein weiser Staatsmann, mittelst dienlicher Ver-bote, die er auf gewisse fremde Conlumtionsartikel legt, den schlimmen Fol-gen zuvorkäme, die ein Geschmack an Dingen, welche seine Unterthanennicht liefern können, nach sich ziehen würde.

Dieses bringt mich auf den Gedanken, dass es in einer grossen Monarchiekeine schlimme Maxime wäre, wenn jedem daselbst residirenden auswärtigenMinister ein auf Kosten des Staats erbautes besondres Hotel eingeräumt würde,dessen Zimmer zw ar im Aeusserlichen, soviel als möglich, nach dem Geschmackdes Landes, von dem er abgesandt worden, eingerichtet wären, die Aus-meublirung derselben aber in lauter Stücken von der zierlichsten und dabeyleicht exportablen einheimischen Handarbeit bestünde, welche für alle aus-wärtige Länder zum Gebrauche bequem, und nach der Mode eines jeden be-sondern Landes fa^onirt wären. Eine solche Anstalt würde ohne allen Zweifelsehr annehmlich seyn, weil die fremden Ministers viel dabey ersparen, zugleichaber unmerklich einen Geschmack an den Manufacturen und dem Luxus ihresResidenzortes gewinnen würden. Es müßte aber der Staat, der diese Höf-lichkeit gegen fremde Ministers beobachtet, nicht ein Gleiches von andernHöfen gegen seine eigene Gesandten verlangen: vielmehr würde ich anrathen,dass er jeden Minister, den er auswärts verschickte, mit einem vollständigenzierlichen Ameublement beschenken sollte, mit der Bedingung, selbiges amEnde seiner Gesandtschaft zu verkaufen. Eine solche Ausgabe würde der Na-tion keinen Pfenning kosten, und ein Mittel seyn, die unbehutsamea Auslän-der