über Handlung und Industrie. N 473
Die Grundsätze der Industrie und der Handlung sind in allen Capiteln die-ses zweiten Buchs dergestalt in einander verwebt gewesen, daß es dienlich seynwird, bevor wir diese Materie verlassen, der Natur der Industrie etwas genauernachzuspüren, und sie abstracter zu betrachten, als wäre sie von ihrem Ver-hältnis zu dem für sie gegebenen Aequivalent (welches das Unterscheidungs-zeichen der Handlung ist, und woraus eben die innige Gemeinschaft zwischenbeiden herrührt) völlig abgetrennt.
Bisher ist der Gegenstand unsrer Untersuchung gewesen, wie wir die Me-thode entdecken möchten, Handlung und Industrie bey einem freyen Volk inAufnahme zu bringen, als ein Mittel, wodurch die ganze Societät, indem alleMitglieder einander ihre wechselseitige Bedürfnisse zu erleichtern suchen, ru-hig und bequem leben könne. Wir wollen nunmehr einige weitere Folgenerwägen, und einen andern Prospect dieser weitläuftigen Landschaft unter un-sern Gesichtskreis fassen. Hier werden nicht so sehr die personellen Vortheile,die vermittelst dieses sanften Bandes der wechselseitigen Abhängigkeit unmit-telbar gefühlt werden, als vielmehr die Wirkungen, welche die Industrie inAnsehung der veränderten Gestalt der Dinge, und der veränderten Sitten ei-nes Volks, hervorgebracht hat, unsre Aufmerksamkeit fesseln müssen.
Um diese Idee, die ich ein wenig dunkel finde, verständlicher auszu-drücken , will ich sagen, dass wir bisher unser Sujet nach den Grundsätzen ab-gehandelt haben, nach denen sich ein Staatsmann zu richten hat, um Handlungund Industrie empor zu bringen, indem er die Reichen bewegt, den ArmenBrod zu geben. Anitzt aber haben wir die Folgen zu erwägen, die aus derVollziehung dieses Plans entstehen, und wir werden den Unterschied zwischeneinem Lande, welches ein Volk bewohnt hat, das ohne Industrie und Arbeitmit allem Benöthigten überflüssig versorgt gewesen ist, und einem andernLande, dessen Einwohner blos durch diese Mittel ihren Unterhalt; gesundenhaben , gegeneinander vergleichen; und ferner werden wir sehen, wie dieIndustrie Wirkungen hervorbringt, die mehr oder weniger dauerhaft sind,mehr oder weniger Gutes stiften, und der Einfalt der Sitten mehr oder w enigerschaden, je nachdem sie auf verschiedene Gegenstände gerichtet gewesen ist.
Ich kann mir leicht eine Nation vorstellen, die in der größten Simplici-tät lebt und nacket geht, dabey aber entweder von den freiwilligen Früchtender Erde, oder durch einen den Bedürfnissen eines Jeden angemessenen Acker-
O ö o bau