4-74 m Cap. Vermischte Fragen und Anmerkungen
bau, reichlich genährt ist, und wo sehr wenig Veräußerung oder Tausch Stattfindet. Von diesem ersten und einfältigen Leben an, können die Grade derIndustrie, gleich unmerklichen Schatten, vermehrt werden; und diese Ver-mehrung i*st, wie ich muthmasse, nicht so sehr nach dem Grade derBeschäff-tigung, welche die Einwohner treiben, als nach der Quantität der unter ihnenvorgehenden Vertausehungen abzumessen; denn mich dünckt, bey einemTauseh werde allemal ein Ueberfluß von etwas vorausgesetzt *.
Ein Volk lebt demnach in der äussersten Simplicität, wenn die Erde insofern gemeinschaftlich ist, dass niemand das Eigentum darüber erlangenkann, ausser vermöge seines Besitzes, als des Mittels zum Lebensunterhalt;und wenn ein Jeder beschäfftigt ist, sich, und die, welche ihm angehören,mit Lebensrnitteln zu versorgen. Sobald jemand des Diensls eines andernbedarf, der nicht von ihm abhängt, so muss er ein Äequivalent dafür zugeben haben. Dieses Äequivalent muß etwas Bewegliches seyn, irgendeineFrucht der Erde, roh oder verarbeitet, welche überflüssig, und nicht noth-wendig ist. Die Erde selbst kann dieses Äequivalent nicht vorstellen , weilsie die Grundlage zu unsrer Subsistenz ist; und wir können nie etwas, das zuunserm Daseyn erfoderlich ist, veräußern, um etwas Ueberflüssiges dafür an-zuschaffen. Hieraus können wir den Grundlatz herleiten, daß die Veräusse-rung consumirlichcr Waaren blos eine Folge des Heberflusses sey, gleichwiedieser hinwiederum das Gift der Simplicität ist. Folglich, wer die Simplici-tät
* Unsre erstenEltern im Paradiese wurden von der Hand Gottes genährt, und waren, durchdie Constitution ihrer Natur, von allen beschwerlichen thierischen Begierden befreyt.Seit dem f all ist das ganze menschliche Geschlecht beschäfftigt gewesen , Mittel zurErleichterung der Bedürfnisse, welche die Folgen solcher Begierden sind , zu erfin-den und zu gebrauchen.
Hieraus schliesse ich, dass, wenn der Mensch nicht gefallen wäre, die mensch-lichen Bestrebungen aus etwas ganz Anderes gerichtet seyn würden, als sie nun sind.Beinahe möchte ich die Muthmassung wagen, dass wir in einem so glücklichen Zu-stand , vielleicht mit einer Fähigkeit wären begabt gewesen, unsre complexesten Be-griffe einander mit eben der Deutlichkeit mitzutheilen, als wir anitzt Linien, Win-kel, Zahlen, Farben &c. vorstellig machen. Hieraus schliesse ich, dass alsdannkein Unterschied in den Meinungen, kein Dilputiren, kein Wettstreit über irgendeine Sache würde Statt gefunden haben. Die Progrcssen in Erwerbung nützlicherKenntnisse, und das Vergnügen, die gemachten Entdeckungen einander mitzuthei-len, würde uns einen Fonds von Glückseligkeit verschafft haben, der eben so unerschöpf-lich gewesen wäre, als die Wissenschaften selbst. Die