über Handlung und Industrie. 4 / 7 ^
tät bis auf den höchsten Grad treiben -wollte,, der müßte alle Veräußerungverwehren, folglich auch alle Depcndenz unter den Menschen, folglich auchalle Subordination aufheben; ein jeder müßte blos von seiner eigenen Arbeit,und sonst von nichts abhängig seyn.
Befänden sich die Menschen entweder in diesen ersten Zustand der Un-schuld zurückversetzt, oder in einen viehischen Zustand heruntergesetzt; wä-ren seine Betriebe entweder blos geistig, oder erstreckten sie sich nicht wei-ter, als bis zur Willfahrung seiner thierischen Begierden, und Erwerbung sei-nes pbystsch-Bcisötbigten: so möchte eine solche Oekonomie wol noch mit derSocietät bestehen können. Da wir uns aber in einem mittlern Zustand zwi-schen beiden befinden, und gewisse Begierden besitzen, die von beiden et-was gemein haben, und deren Willfahrung dasjenige ausmacht, was wirunser poUtifcb-Benöthigtes genannt haben, welches wir uns nicht selbst ver-schaffen können, weil schon die Natur desselben voraussetzt, daß es eine Su-periorität, eine Subordination, und eine wechselseitige Abhängigkeit unter denMenschen gebe: so läßt sich eine völlige Verstopfung der Alienation gar wohlmit der Regierung, folglich auch mit der menschlichen Societät zusammen-reimen; und da dieses der Fall ist, so ist alle Simplicität der Sitten nur etwasRelatives. Unsre Väter hielten die Sitten ihrer Vorfahren für simpel: diese
hingegen bewunderten die Simplicität der Erzväter; und vielleicht kann die
0oo 2 Zeit
Die ersten Menschen lebten also anfänglich nach einem System, wo keine be-schwerliche Arbeit, keine Industrie, keine Bedürfnisse, keine Dependenz, keineSubordination, Statt fanden. Folglich, wenn sie in diesem Zustand geblieben wä-ren , so würde der Verflufs der Zeit keine Veränderung in irgend einer Sache, aussernur in dem Zustande des Wissens, hervorgebracht haben. Nachdem aber der Menschaus dem Paradies verjagt worden, fiengeran, die Erde umzugraben, folglich ihreOberfläche zu ändern; er baute Häuser, schlug Brücken, machte Wege; und mitder Länge der Zeit brachte er es so weit, dass er, mittelst unzähliger Befchässtigun-gen und Gewerbe, die ihm allemal feine Bedürfnisse, das ist, feine Unvollkommen-lieiten, und die Begierden, die ihm diese einflösten, in den Sinn gaben, auch seinenNeigungen willfahren konnte. Wenn die Bedürfnisse befriedigt sind, so ist die phy-sikalische Glückseligkeit des Menschen so hoch als möglich getrieben. Da wir aberselten in einem Zustand der Zufriedenheit verharren, und unsre Natur uns ohn Un-terlass antreibt, zu den Arten unsers vorigen Genusses etwas Neues hinzuzufügen:so gehen natürlicherweise Societäten, die einmal errichtet sind, und im Frieden le-ben, von einem Grade der Verfeinerung zu einem andern über, das ist, die Men-schen werden täglich arbeitsamer.