4$ g XXX. Cap. Vermischte Fragen und Anmerkungen
gar keine Proportion-zwischen dem, was Bettelmönche mit dem Betrage vonPrivatalmosen ausgerichtet haben, und dem, was ein reicher Lord mit ei-nem übergroßen Vermögen ausgerichtet hat. Ja , es giebt Clöster, die,wenn Fürsten sie erbauet hätten, in der Geschichte, von einer Generation zurandern, als ewige Denkmäler der allergrößten Verschwendung, berühmt seynwürden. Hier sieht man also die Wirkung der Mildthätigkeit, die ich vonvielen Leuten, und zwar, wie mich dünkt, ohne sonderlichen Grund, habeverdammen hören. Heißt das nicht den Reichtum, sagen diele Leute, Iü-derlich wegwerfen? Wie nützlich hätte nicht alles dieses Geld können ange-wandt werden, wenn man es zu Anlegung von Manufacturen, Errichtung ei-ner Seemacht, und zu manchen andern guten Absichten , verbraucht hätte?Ich hingegen bin mit den Wirkungen, die aus der Vollführung einer so präch-tigen Anstalt, wie ein solches Closter ist, entspringen, so vollkommen zufrieden,dass ich mir selten die Zeit lasse, an die erste Absicht der Unternehmung zugedenken. Der Bau dieses Closters hat die indüstriösen Armen ernährt, hateine Aufmunterung zu den freyen Künsten gegeben, hat den Gesehmack derEinwohner verbessert, hat die Neugierde der Fremden herbeigezogen 5 undwenn ich in meinem Beutel nachsehe, so finde ich, dass ich mich, anstattaus einer mildthätigen Gesinnung, etwas zu diesem Bau beigetragen zu haben,aus blosser Neugierde habe bewegen lassen, einen Theil der Kosten dazu bei-zutragen. Ich verzehre mein Geld in diesem Lande, wie andre Fr.emde auchthun, und bringe nichts dagegen aus dem Lande heraus. Keine Handlungs-balanz ist so klar, wie diese. Die wunderthätige Zunge des heiligen Antoniusvon Padua hat mehr Geld in diese Stadt gebracht, als tausend Weber mitaller ihrer Industrie hätten thun können. Der gegebene Almosen ist nichtden Mönchen, sondern denen , die sie in Arbeit setzen , gegeben worden.Wenn daher junge Witzlinge über eine solche Devotion spotten, so frageich: wer ist auslachenswcrth? die, welche ihr Geld weggeben, um die Raritätzu sehen? oder die, welche das Geld empfangen, um die Rarität zu zeigen?
In einem Lande, wo es gewöhnlich ist, dergleichen Werke auszuführen,hören sie größtentheils auf, nützlich zu seyn, sobald siezn Stande gebrachtworden sind. Also sollte gleich darauf ein neues solches Werk unternommenwerden; denn was will man sonst mit den Leuten anfangen, die nichts zu ar-beiten haben? Man muß jedoch hieraus nicht schließen, als ob man bey
Auf-