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Zweyter Abschnitt. IX. Von meine» Müder«, denJude», sag' ich-nach meiner innigsten Empfindung vor Gott— es thut mit schmerzlich wehe, sie gegen die in JesusMeßias erschienene Gottesgnade so unempfindlich und von dendurch ihn uns uuschäzbare» Vortheilen noch so ferne »u sehen.Sie sind doch vor allen ander» Nationen die Erwählten, dieLieblinge der Gottheit, mit großen Vorzügen, mit herrlichenVerheißungen begäbet.
Nicht daß Gott seinem ersten Versprechen untreu geiror»den sey; den» dieses geht, wie ihr wohl wisset, nicht alle Ab»römmlinge Abrahams, nur Jsaaks Nachkommen an. Und auchunter diesen hat Gott wieder «ine selbstbeliebige, freie Aus»wähl getroffen, ohne auf irgend ei» Verdienst, oder VorzugRüksicht zu nehmen.
Was denn niemand Ungerechtigkeit nenne! Gott hatüber das Menschengeschlecht eben daS unbeschränkte Eigenthums»recht, welches ein Töpfer über seinen Thon hat. Wie dieseraus Einer Laimscholle die verschiedenste» Gefäße verfertiget,so macht Gott aus seinen Menschen, was Er will — die«inen erhöhet, die andern erniedriget Er — die einen machtEr reich, die ander» macht er arm, ohne daß ein Mensch dasRecht hat zu fragen, warum thust du das?
Nach diesem stehe» Wahlrecht Gottes sind nun jeneSchriftstelleu erfüllt: „ein erst verflossenes Volk werde GottesLieblingsvolk werden — aus den zahllosen Abrahamskindern„werde nur ein Urberrest gerettet werden." Die übrigen ver-härteten sich gegen die göttliche Gnade, dir ihnen durch JesuSMeßias angetragen wurde und blieben eigensinnig dabey, durchihr mosaisches Gesez die verheißenen Segnungen zu erlangen,die nun einmal bloß durch festes Vertrauen auf die göttlicheBarmherzigkeit, ohne Unterschied der Nation und äußerer Vor«zöge erlangt werben können.
X. Daß den Juden dieß nicht auf alle mögliche Weise
gesagt und aus Herz gelegt worden, können sie gewiß nicht
sagen.