Man hat sich, sonderlich in Deutschland (denn ausserhalbDeutschlands haben wenigstens verständigere und philosophischeLeser der Bibel sich nicht leicht dieser Mühe schuldig gemacht-äußerst bemühet, Pauli Worten einen andern Kinn zu geben,und sie entweder von den einzelnen Iudeubekehrungen, die wirerleben, (meistens betrügerischen eines Bösewichts, oder auSBrvdsucht,) oder von der bloßen Möglichkeit einer Judenbe,kehrung, die aber nie zur Wirklichkeit kommen werde, erklä«ren wollen. Ich habe izt den Brief an die Römer nicht zuüberstreu oder zu erklären, allein die Worte, ich will euch,meine Bruder, dieß Geheimniß nicht verhalten, damit ihrvon euch nicht zu hoch denket: Verstellung ist einem Theil von Istrael so lange wiedersah«», bis die ganze Menge der Heide»in die Kirche eingegangen seyn wird: und so wird ganz Istrael gerettet werden, wie geschrieben steht u. s. f. scheinenmir so klar, so gar nicht prophetisch - dunkel oder poetisch,-sondern die Sache gerade zu und prosaisch zu sagen, daß ichentweder eine Bekehrung des Jüdischen Volks in der Zukunfterwarten, oder Paulum da, wo er als Prophet etwas vonden geheimen Nathschlüßen Gottes verrathen will, für einenLügner, (glimpflicher zu reden, für einen Irrenden und Be-trogenen) halten, das heißt aber eben so viel als, die Wahr-heit der christlichen Religion gerade zu aufgeben muß.
In der That begreiffe ich auch nicht, was man, einigeVorurkheile von sonderbahrer Entstehungsart ausgenommen,so sehr wichtiges gegen eine künftige Judenbekehrung habenkann , daß man sich berechtiget glaubt, den Worten Pauli so
äußerste Gewalt anzuthun.- Es ist wahr, 1700. Iaht
lebte dies Volk unter uns »»bekehrt, und behält gröstentheilS,ohne einmal in den Deismus zu verfallen, seine ohne Hinzukunftder christlichen Religion kaum mehr bestehen könnende Offen-barung und Religion; aber ist denn das nun ein Beweis,baß die Bekehrung so unglaublich und unmöglich sey, weil siein 17c». Jahren nicht erfolgt ist? So muß es auch un-