2l5
hörte, war mir nicht genug, denn es kam der un-beschreiblichen Realität dieser ersten Gedanken nicht bey.Bey Nacht hatte ich auch sehr impreßive (eindrükliche)Träume von den Gefängnißen der Unseligen nach demTod. Ich sah eine alte Matrone mit dem Schlüßeldie Gemächer aufthun, allwo ich tief in die Behält-riiße der verschiedenen Unseligen hinein sah, und ihrZettergeschrey anhörte. Das war, wie jenes dasangenehmste, so dieses das schrbklichste meiner Ein-drüke, welches alles auf meine folgende Vorstellungenviel Einwürkung hatte. Allerdings sieht man hierschon in dem Kinde die feurige, lebhafte Einbildungs-kraft des Mannes, bald in der Höhe, bald in derTiefe, immer kühn, und aufs höchste angespannt.Dies wird deutlicher seyn, wenn wir den Mann erstbis ins Alter begleitet haben, und von da wieder aufdiese Begebenheiten seiner Kindheit zurüksehen werden.
Dieser Lebhaftigkeit wurde durch die Grundsäzederer, die sich mit seiner Erziehung beschäftigten, oh-ne daß sie es wußten, und mithin den Vorsaz habenkonnten, ihr entgegen zu arbeiten, aber doch nichtsdesto weniger würklich entgegen gearbeitet. Sein Va-ter , sein HausLehrer, sein Lehrer in der Schule be-handelten ihn mit der ausgesuchtesten Strenge, under kann sich noch nicht ohne Widerwillen an die un-barmherzige Behandlung erinnern, die ihn jedes-mal erwartete, wenn er nur etliche von denen Voka-beln, die er auswendig zu lernen hatte, nicht herzu-sagen wußte, Dieß, sagt er, machte mir mein Le-
S 4 den