von Corsica. 22 l
Es sind außerdem einige Gebrauche, die inCorsica noch beobachtet werden. Insonderheit ha-ben sie verschiedene wunderliche Ceremonien bey demTode ihrer Anverwandten. Wenn ein Mann stir-bet, zumal wenn er ist ermordet worden, so bcglei-tet seine Wittwe nebst allen verheyratheten Weibernim Dorfe den Todten zu Grabe, woselbst die Wei-ber nach einem abwechselnden Geheule und andernAusdrücken der Betrübniß über die Wittwe herfallen,und sie auf eine erbärmliche Art hin und her zerrenund schlagen. Sobald sie alsdenn auf solche Weifeihrer Betrübniß eine Genüge gethan, so führen siedieselbe ganz mit Blut und Beulen bedeckt, wiederin ihre Wohnung zurück. Ich habe zwar wahrendmeines Aufenthalts auf der Insel keine Gelegenheitgehabt dieses selbst zu sehen, ich habe es aber vonglaubwürdigen Zeugen für gewiß gehöret.
Da ich nun bisher von dem Genie und Charakterder Eorsen etwas gesagt habe; so muß ich noch mitErlaubniß n,einer Leser einen vorzüglich schönencorsischen Charakter an dem Beyspiele des HerrnClemens de Paoli, dem Bruder des Generals,beschreiben.
Dieser Herr ist der älteste Sohn des alten Ge-nerals Hyacinto Paoli. Er ist ungefähr fünfzigJahre alt, von mittelmäßiger Größe, und finstererMiene, seine Augen sind sehr beweglich und durch-dringend, und er hat etwas in der Bildung desMundes, welches ihm ein sonderbares Ansehen giebt.Er besitzet von Natur viel Verstand, und er hat ihn
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