Band 
Erster Theil.
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von der Höflichkeit der Römer. 79

-es Seneca und plinius Briefen, findet man vollkom-mene Muster, dieser den Römern so eigenen Höflichkeit.Man bemerket in selbigen, mit wie vieler Zärtlichkeit sie sichum die Hochachtung und Zuneigung derer Personen bewor-ben, in deren Gunst sie zu stehen wünschten; man sieht diegeschickte und wohlgesittete Art ihre Freunde zu empfehlen;die höflichen, ehrerbiethigen und schmäuchelhaften Ausdrücke,deren sie sich bedienet, um sich ihren Schuß auszubitten,um ihnen zu einem glücklichen Erfolge Glück zu wünschen,oder sie im Unglücke zu trösten. Gleichwohl erhielt derSchatten der Freyheit, der noch bey den Bürgern zu blei-ben schien, eine lange Zeit, und trotz dem gewaltigen Un-terschiede , welchen das Ansehen und der Reichthum unterihnen machte, in ihren Briefen eine gewisse Einfalt, die unsvieleicht die übertriebenen und lächerlichen Ausdrücke verwei-sen würde, worinncn zuweilen die ganze Güte unserer Brie-fe besteht. Ein angenehmer Wunsch im Anfange, und einzärtliches Lebe wohl am Ende, das war das ganze Ce°remoniel derselben.

Man muß zur Ehre der Römer noch gestehen, daßsie gegen Greise eben so ehrerbiethig waren, als gegen dieGroßen; und daß ihre Ehrfurcht gegen ihre Verwandtenbis auf gewisse Grade, so weit gicng, daß man nie einenVater oder Schwiegervater gesehen, der sich mit seinemSohne, oder Eidame gebadet hätte.

Weil man nicht anders zu Aemtern kommen konnte,als durch die Stimmen des Volks, welches sich nicht alle-zeit durch das vornehme Geschlecht oder den Stand blendenließ, so mußten die Standespersonen nothwendiger Weiseleutselig seyn. Der Ehrgeiz, ja selbst die Eitelkeit, machtesie gefällig.

Diejenigen nun, die um ein Amt warben, mußten auchdem geringsten Bürger schmäucheln. Nachdem sie also allediejenigen, die ihnen des Morgens die Aufwartung gema-chet, wohl aufgenommen hatten, so gierigen sie in einemweiffen Kleide, von ihren nächsten Anverwandten, Freun-den

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