96 vii. Fraguiev
gefärbten Fäden, die mit Mühe einer neben den anderngeleget werden, dasjenige ausrichtet, was sich mit den Far-ben auf der Palete, mit geringerer Mühe und Schwierig-keit thun laßt. Gleichwohl sieht man diese Kunst zu Ho,mers Zeiten, schon an vielerlei) Orten im Schwange, under redet davon als von einer Sache, die schon feit demtrojanischen Kriege ganz bekannt gewesen. Denn es istnicht wahrscheinlich, daß sie in der Zwischenzeit entstandensey, welche seit dieser berühmten Belagerung bis auf Ho-mers Zeiten verflossen ist, und daß dieser Dichter, nachdem Rechte, welches die Dichtkunst uns ertheilet, die Sa-chen zuweilen zurück zu setzen, dieselbe auf eine spätere Zeitverleget habe. Die Kunstrichter sind im Absehen auf dasAlter derer Sachen, welche Homer erzählet, ziem-lich eins : und es ist auch wahrscheinlicher, daß daß da-malige Frauenzimmer, wie noch heute zu Tage unsere be-sten Künstler, eines gemalten Vorbildes zur Tapetenwir-kerey nöthig gehabt, wenn sie in dieser Arbeit, Blumen oderFiguren vorstellen wollen. Wenn man also schon in denenZeiten, Zeuge und Tapeten findet, auf welchen Blumenvorgestellet gewesen, und worinnen man Schlachten sieht;so muß man glauben, daß das Frauenzimmer, welches der-gleichen Arbeiten gemachet, auch gewisse Muster, oder ge-färbte Zeichen, vor Augen gehabt. Dieses sind nun nichtsanders als Bilder gewesen; folglich ist die Malerey, wi-der die Meynung des Plinius, schon zur damaligen Zeiterfunden gewesen : welches gleichwohl die entfernteste Zeitist, davon wir noch, durch Beyhülfe der weltlichen Schrift-steller, einige Kenntniß haben.
Der wahre Ursprung dieser Kunst und aller andern Künste,steckt in einer ungemeinen Dunkelheit. Es ist genug, wennman nur ziemlich wahrscheinlich gezeigt hat, daß die Ma-lerey so alt sey, daß man ihren ersten Ursprung nicht entdeckenkann, als welcher vieleicht bald auf den Anfang der Weltgefolget ist.
Der