lZo xxvn. Platons Urtheil
nämlich wettn man selbst etwas thut, das nachahmenswür-dig ist : allein er schließt auch nichts von der Nachahmungaus, als das, was ihm böse vorkömmt. Insonderheithat er sich bemüht den Misbrauch der Dichtkunst und Re-dekunst zu zeigen ; weil diejenigen, welche entweder Dich-ter oder Redner waren, ihre Gaben insgemein sehr übelanwendeten und sich gleichwohl einbildeten, sie waren überalles erhaben ; da sie doch nicht bedachten, daß dasjenige,welches die Menschen wirklich über alles erhebt, nichts an-ders seyn kann, als die Tugend, deren Anführung dergrößten natürlichen Geschicklichkeit erst den rechten Werthertheilet; welche Geschicklichkeit an und für sich selbst, we-der Lob noch Tadel verdienet, und dennoch eines oder desandern würdig wird, nachdem man sie gut oder schlechtanwendet.
Man kann hieraus urtheilen, daß der HerrFraguier,diese neue Abhandlung sowohl in der Absicht unternommen,platons Unwillen gegen die Dichtkunst, zu vertheidigen,als auch ihn mit den Dichtern auszusöhnen. Um nun zubeweisen, daß placo wirklich die Dichtkunst erlaube, sosetzet er folgendes fest.
1. Habe plnro gewollt, daß man sich zum Unterrichteder Menschen, der Labe! bedienen solle; ja da er selbstsich ihrer an so vielen Stellen seiner Werke bedienet, so be-halte er ja dasjenige bey, was eigentlich den Grund derDichtkunst ausmacht und das rechte Wesen davon ist.
2. Da er den Gebrauch der Gesänge und Lieder zuEhren der Götter und Menschen vorgeschrieben : so be-halte er auch das erhabenste bey, welches der wahrenSchönheiten und der Begeisterung einer Seele,die voller schö-nen Empfindungen ist, am fähigsten ist.
z. Erlaubt er den Dichtern, von den Lastern zu reden,um deren Häßlichkeit zu zeigen, und die Guten durch dasBeyspiel der Bösen, in der Tugend zu bestärken.
4. Will er nur, daß ein poetisches Werk, es sey neuoder alt, der obrigkeitlichen Untersuchung unterworfen seyn
soll;