Band 
Erster Theil.
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Leben.

um eine solche Stelle erst bitten müßte, so schreckte ihn die-ses ab. Die Akademie war einmal im Gleichgewichte zwi-schen zwoen Personen die gleich viel Stimmen hatten undfolglich zwo Parteyen machten, die man nicht vereinbarenkonnte. Ich weis nicht wie mir es in den Sinn kam vondem Herrn Pavillon zu reden : so bald ich ihn aber nurnannte, so erscholl ein allgemeiner Beyfall; man ließ diezwo Parteyen fahren, für welche man so hitzig gefochtenhatte, und alles vereinigte sich in einem Augenblicke übereinen verdienstvollen Mann, der allen andern überlegenzu seyn schien. Diese ungewöhnliche Art zu wählen, nahmjedermann wunder, und Herr Pavillon, dem ich dieNachricht davon brachte, gericth selbst darüber in eine un-glaubliche Bestürzung. Das Verfahren einer so ehrenvol-len und verbindlichen Wahl indessen überwand ihn, er warbey der Ehre die man ihm anthat sehr gerührt, und seineDanksagung zeigte offenbar, die Größe seiner Erkenntlich-keit und die Billigkeit einer so sonderbaren Wahl.

Bald darauf fieng sein kränklicher Zustand an, ihnzu Hause zu halten, und zwung ihn seinen Lehnstuhl zu hü-ten , zwar auf eine eben nicht schmerzliche Art, die ihm aberdoch keine Fähigkeit erlaubte davon auszustehen. Wenndieser Zustand erträglich, ja so gar angenehm seyn kann,wofern man so reden darf, so muß es gewiß der Herr Pa-villon erfahren haben. Die Gewißheit ihn zu Hause zufinden, zog die besten Gesellschaften zu ihm. Da nun seinKopf frey und gesund war, so trug er zur Unterredung dasseine bey, sagte seine Entscheidungen als ein Meister, aberohne Stolz, redete von allen möglichen Materien mit be-wundernswerthec Fertigkeit und blieb allezeit der Wahr-heit ergeben.

Hier will ich mich gern auf alle diejenigen berufen,die ihn gekannt haben. Suchte man Rath ? wer hat je-mals bessere Rathschläge ertheilet? Wollte man ein Gut-achten wissen? so fand man das seini'ge ja jederzeit vernünf-tig, billig und gemäßigt. Einige bestrafte er mit Sanft-

Bb 5 muth,