444 L.XXIV. Des Hn. Präsidenten
Die Liebe Frieden zu stiften und Mittler zu seyn, warebenfalls eine besondere Eigenschaft an dem Herrn von Laemoignon. Das Vertrauen der vornehmsten Personen hatteihm in seinem eigenen Hause eine Gerichtsbank aufgerichtet,allwo er mehrere Handel schlichtete, als vor dem öffentlichenGerichte, allwo er vollkommen die Kunst erworben hatte,die durch verschiedenen Nutzen, oder durch schädliche Rath-schläge getrennten Familien, wieder zu vereinigen.
Im Anfange des löyvsten Jahres gab der König demHerrn von Lainoignon seine Einwilligung zur Präsiden-tenstelle ä kloi-tier; allein die Liebe zur Arbeit hielt ihn nochacht Jahre in den Gerichtsschranken, und er gebrauchte sichder königlichen Gnade erst damals, als seine Gesundheit unddas Bitten der Seinigen, ihm nicht länger erlaubten einerehrenvollen Ruhe zu entsagen. Die Wissenschaften, welchedamals ein neues Recht auf ihn erlangten, brachten ihn indiese Akademie bey der ersten Gelegenheit, die sich zur Erse-tzung eines Ehrenmitgliedes eraugete. Dieses geschah 1704nach dein Tode des Herren Herzogs von Aumonc.
Herr von Lamoignon verband sich gern mit einer Ge-sellschaft, deren Arbeiten er allezeit hochgehalten hakte, undsein Fleiß bey den Versammlungen, bewog den König, ihnuns im i?ozten Jahre zum Vorsteher zu setzen. Niemalswerden wir die edle und angenehme Art vergessen, womit erdieses Amt verwaltet hat. Er entschied eine gelehrte Schwie-rigkeit, fast eben so leicht als er eine Rechtsfrage würde ent-schieden haben, und wenn er von dem Werthe derer Denkmä-ler redete, durchweiche das Andenken großer Männer bisauf uns gebracht worden, so redete er mit einer gewissen Ho-heit davon, die, ohne daß er es gedachte, zur Gnüge zuverstehen gab, wie vielen Theil er selbst daran nahm.
Weil seine Gesundheit täglich schwächer ward, so über-gab er im i?o7ten Jahre, seine Prasidentenstelle ä sortier,seinem ältesten Sohne, Herrn von Lamoignon, und derKönig ertheilte ihm das Patent eines Ehrenpräsidenten. Ei-ne