66 x. Des Hn. Abt Gedopt, Abhandlung,
gen die Alten in ihre Gastmahle mit eingemischet. DurchBeyhülfe dieser so gelehrten als moralischen Gespräche,sagt er, machten die Griechen ihre Ergetzungen bey TL.sche nützlich; und verbesserten dasjenige wiederum, wasdie Ungebundenheit, und gar zu große Freyheit, nurgar zu oft bey langen Schmausereyen einführet-.
Dieß schien ihm um so viel nöthiger zu seyn, daheut zu rage unter uns fast alle Gespräche eingehen; dader Wein, welcher bey Tische oft ohne Maaß getrunkenwird, und das Spiel, sobald man von der Tafel auf-gestanden, den Platz derer angenehmen Unterredungeneinnehmen, davon wohlgesittete Leute so bezaubert wer-den. Die Jungfer Gcudery würde, wenn sie noch le-ben sollte, sich noch vielmehr, als der Abt Gedopt,, ver-wundern, wenn sie sähe, daß man nicht nur in vornehmenGesellschaften, die Gespräche, die sie so sehr liebete, garnicht mehr höret; sondern daß man auch die vortreff-lichen Muster gar nicht mehr liest, die sie davon hinter-lassen.
Dem sey wie ihm wolle, so ist es gewiß, daß die Er-Mutigen bey Tische, die unter uns oft sehr grob sind, beyden Griechen sowohl reiner als anständiger gewesen; unddieses durch Beyhülfe der Gespräche, welche die Seele der-selben waren. Es versammletcn sich oft acht oder zehnder ansehnlichsten Athenienser, bey einem gemeinschaftli-chen Freunde, und brachten viele Stunden bey Tische zu;aber nicht mit Trinken, sondern mit Unterredungen. Undwie waren ihre Unterredungen denn beschaffen? Es warendie freyeften, vertrautesten, aufgewecktesten, geftttestcn,gelehrtesten und gründlichsten Gespräche. Trug es sich zu,daß jemand die Freyheit bey Tische misbrauchte, und et-was gar zu freyes sagte: so ward sogleich dasjenige ange-merkt, was wider die guten Sitten entwischet war;und das Gespräch auf irgend eine moralische Materie ge-leistet, die man zu ergründen trachtete.
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