Musik der Alten. ,57
symphonisch, wenn die Stimme und das Instrument ein-klangig, oder in der Terze stunden. Der eine brachte seineMelodie ganz ungekünstelt hervor, indem der andere die-selbe durch Züge, oder Laufe, oder Verkürzungen u. s. w.abänderte: und eben dieses ward antiphonisch, wenn dasInstrument und die Stimme in der Octave stunden , odersich Wechselsweise einander antworteten; und dabey eben die-selbe Vermischung eines einfachen Gesanges, mit einemgekünstelten und durchaus zierlichen Gesänge, spüren liessen.
z. Kam endlich das Hohe mit dem Tiefen zusammen,wenn die Leyer und die Stimme in der Terze, in der Octaveoder Doppeloctave giengen. Diese beyden Arten des Ge-sanges, wurden symphonisch genannt, wenn das Instru-ment mit der Stimme in der Terze stand; antiphonischaber, wenn stein der Octave stunden, oder einander ant-worteten.
Dieses nun sind, nach dem Herrn Bürette, dieverschiedenen Arten gewesen, wie die Leyer und die Stimme,sich mit einander vereinbaren können, und woraus die ersteSchwierigkeit eines Concerts unter beyden, bestanden.Die andere betreffend, der auf den Tact oder rbvtbmumankam, und bey allen Arten verschieden zusammen gesetzterGesänge, beobachtet werden mußte; so halt sich Herr Bü-rette dabey um so viel weniger auf, da es hier zu der Fragegar nicht gehöret, deren Untersuchung er übernommen hat.
Aus diesem allen nun schließt Herr Bürette, daßdiejenige Art der Tonkunst, deren Erlernung plato derJugend untersagt, ganz und gar nicht die vielstimmigeMusik sey, die man damals weder kannte noch übte: (wieer denn will, daß alle Schriftsteller dieser Kunst bezeugen )sondern, daß dieß einzig diejenige Art von Musik gewesen,welche durch die Veränderungen, die eine Melodie erhaltenkonnte, wenn sie bald einklängig, bald in der Terze, O- tave,und Doppeloctave gesungen, oder durch einen einklängigen
Baß