Band 
Zweyter Theil.
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Z62 I.IX. Fröret, von der Poesie

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Das heißt: so lange der Drache und dieSchlange schweigen, so sieht man keinen Unterschiedunter ihnen; bey ihrem ersten Zischen aber, lerntman sie gleich unterscheiden.

Heute zu Tage sind die Verse an Sylben ungleich,nämlich fünf, sieben und neunsylbigt und die alten viersyl-bigten Verse, sind ganz verworfen. Sie sind gereimt,und ungeachtet die Lhineser nicht so wie wir, die männli-chen und weiblichen Reime unterscheiden; so bedienen siesich doch keiner mindern Kunst, selbige in den Gedichtenmit abgewechselten Reimen, unter einander zu mischen:denis die Chinescr besitzen ziemlich lange Stücke auf einer-ley Reim und diese Art von Versen wird sehr hoch geschätzt.

Die Strophen bestehen allezeit aus gleichen Zahlen,nämlich aus vier, sechs, acht, zehn oder zwölf Versen,deren Reime aber verschiedentlich unter einander gemischtund geordnet sind. Ueberhaupt laßt man allezeit den er-sten und letzten Vers mit einander reimen; in den vierzeilich-ten Strophen, reimen sich; die erste und vierte, die andere unddritte Zeile; in den sechszeiligten, reimet sich die erste mit dervierten und sechsten, und die andere mit der dritten, die fünfteaber reimet sich nicht: denn auch dieses ist noch eine allgemeineRegel, daß die Zeile vor der letzten sich nicht reime, wenndie vorhergehende sich mit der letzten Zeile reimet.

In den achtzeiligten Strophen, reimen sich die ersten,vierten, fünften und achten mit einander, die andere rei-met sich mit der dritten, und die sechste mit der siebenden.Also richtet sich der achtzeiligte Vers, nach dem vier--zeiligten. In den zehnzeiligten Strophen, reimet sichdie erste Zeile, mit der vierten und zehnten; die andere,