Vermaledeyungen. -7
die Klugheit und Sanstmuth einiger Leute, die Verwirrungder andern zu recht gebracht, und die Wildheit derselben ge-mildert hat: seitdem werden die Beleidigungen gegen denNächsten, als Staatsverbrechen angesehen, dessen Er- «Haltung den Göttern wichtig zu seyn geschienen. So hatsich denn die Liebe zur Ruhe, bey den Menschen vermehretund gestartet, welche, wenn sie bey der Obrigkeit nicht gleicheine schleunige Hülfe gefunden, sich an ein höheres Gericht ge-wendet haben.>
Daher kommen die Vermaledeyungen, das heißt, diean ein höheres Wesen gerichteten Gebethe, daß es zumwenigsten ein Rächer unseres Verdrusses seyn wolle: indemwir uns zur Selbstrache unvermögend befinden, da dessenSchutz uns davor nicht bewahren wollen.
Der Herr Abt Fraguier, welcher diese Materie meiner besondern Schrift abgehandelt hat, bleibt in selbigernur bey denen berühmten Verwünschungen stehen, derer,Wirkung das griechische Theater, und auch oft unsere eige-nen Schaubühnen, mit Schrecken und Mitleiden erfüllethat. Damit wir nun, wie er gethan, die Vermengung der hei-ligenund weltlichen Geschichte vermeiden mögen: so will manhier diejenigen nicht berühren, die vom Moses angeführetwerden; denn sie sind von ganz anderer Art.
Es ist wahr, daß nur durch die Dichter, die Kennt-niß dieser Verwünschungen bis auf uns gekommen ist; erist aber auch eben so wahr, daß die Dichter, die Ge-sthichtschreiber der ältesten Zeiten, und Zeugen einer sehr altenSage sind, deren Andenken damals als sie geschrieben, ausdem Gedächtnisse der Menschen noch nicht ausgetilget war.Sssah plato dieselben an, als er um seinen Gesetzen ein grö-ßer Gewicht zu geben, seine Zuflucht zu einigen Begeben-heiten genommen, davon Homer und die andern Dich-ter nur einzig Bürge find. Sie waren an sich selbst reichgenug, und hatten daher nicht nöthig, die Geschichte durchersonnene Falle zu verunstalten. Sie glichen den großen
Mstern;