28 m. Fragtlier, von den
Malern; wenn sie ja ihren Gegenstand erhoben und ver-schönerten, so geschah solches doch nie zum Schaden derWahrheit.
Von allen Vermaledeyungen nun, mit welchen dieSchriften der Dichter angefüllet sind, sind die merkwür-digsten, und zugleich erschrecklichsten diejenigen gewesen,welche von erzürnten Vatern, wider ihre Kinder ausge-stoßen worden, und an diese allein, werden wir unö dieß-mal halten.
Zuförderst muß man bemerken, daß, gesetzt daß sieentweder ihren billigen Grund in irgend einem großenVerbrechen gehabt, so die Kinder wider die Väler began-gen, wie z. E. des Oedipus Fluch, wider den Eteoklesund die polynice; oder daß sie nur die Wirkung einesdurch ungerechten Verdacht gestörten Geistes gewesen, wiedes Thestus seiner wider den Hippolytus; so waren dochderen Kräfte an den Vermaledeyeten, eben so erschrecklich.Um die Ursache hievon zu entdecken, muß man auf diejeni-ge Zeit der Welt zurück gehen, die vor der Einrichtungder Staaten hergegangen ist. Damals erkannte ein Haus-vater, als unumschränkter Herr über das Schicksal seinerKinder, nichts über sich als die Götter. Er war gewis-sermaßen deren lebendiges Ebenbild: und da die Väter,nach ihrer Weisheit, sich die Bewunderung ihrer Kinderund die davon unzertrennliche Ehrfurcht erwarben; so zo-gen sie auch durch ihre Fürsorge und Zärtlichkeit, derenHerzen und Ergebenheit an sich. Die Kinder wußten da-her, nächst den Göttern, nichts, was so gütig und so großwar, als die Urheber ihres Daseyns. Es geht auch vonallen Zeiten her, die Ehrerbiethung, so die Kinder den Ael-tcrn schuldig sind, mit dem Dienste gegen die Götter, imgleichem Paare. Lhiron hat, wie pindarsagt, demAchilles diese zwo lehren gegeben: Vor allen Dingenfürchte die Götter, den Jupiter, der den Donner re-giert; denenjenigen aber, welchen du dein Leben zu
danken