Agrippa und Macenas. 129
fassen und auszuführen; der von Natur voller Menschen-liebe, und seit der Eilgung des Triumvirats, gütig, gnädig,voller Sanstmuth, und kurz, so beschaffen gewesen , daßer für das Heil der ganzen Welk gebohren zu seyn geschienen.Nach andern, war er ein ehrsüchtiger, feiger, venvagenerund zugleich verzagter Prinz, seinen Bundögenoffen untreu,grausam und unversöhnlich bey seiner Rachgier, abergläu-bisch, ohne Sitten und Tugend-
In diesen zwoAbschilderungen erkennet man gar leichtdie Schmäucheley und Bosheit. August ist weder so großund so gut, noch so schwach und boshatt gewesen, alsman ihn hier abmalet. Der Character der Menschen istmehrentheils vermischter; und wenn dieser Herr gleich nichtalle Eigenschaften besessen, die einige Geschichtschreiber ihmbeylegen: so ist er doch auch nicht so gar schlimm gewesen,als andere ihn uns abbilden. Man kann diesem NeffenCäsars, etliche große Eigenschaften nicht absprechen. Mansieht in seinen Unternehmungen einen erstaunlichen Hrlcen-muth, einen standhaften Geist, und der die Kunst besaß,die Ausführung seiner Anschläge aufdie gehörigen Zeitpunctezu vertheilen. Er war sehr scharfsichtig die Menschen zukennen; er theilte ihnen die Aemter mit vieler Bilssgkeikaus. Er war allezeit aufmerksam auf die Smatsgelchäffre,gnädig oder grausam, nachdem die Zeit, und das erlitteneUnrecht eö erforderren; ein Feind aller Gefahr, ja so garverzagt; und das vielleicht aus Staatslift.Er wußte seine Feh-ler durch die unendliche Kunst zu bedecken, die er besaß, alleTugenden anzunehmen, die ihm zehleten. Kurz, er warwie er selbst gestund , ein vortrefflicher Schauspieler, undder unter der Larve allerley Personen zu spielen wußte, umzu seinem Zwecke zu gelangen.
Dieses muß man untersuchen, wenn man von demCharaktere obiger zween Staarsbedienken richtig urtheilenwill. Mitten unter den Unruhen, die auf Cäsars Todfolgten, trat C. Ocravius, dessen Sohn auf den Plah.MTH.derGesch. I Er