Sprache der Chmeser. 355
verschiedene Völker bewogen hat, zu Ausdrückung einerleyBegriffe, dieselben willkührlichen Zeichen zu erwählen.Vieleicht giebt es auch unter den Tönen, aus welchen dieSprachen bestehen, und unter denen Begriffen die unsrühren, ein Verhältniß, welches in der Natur unsererWerkzeuge, eben so wesentlich gegründet ist, als dasjenige,welches sich zwischen der Empfindung der Leidenschaften unddenen Tönen findet, die uns ein Angst - oder Freudengeschreyauspressen, um eins oder das andere auszudrücken. Die-ses ist nach dem Herrn Freret, ein Begriff, den man nichtganz verwerfen kann; er hält ihn für fähig, von vielenDingen Rechenschaft zu geben, die man dem bloßen blindenZufalle beymißt- Vieleicht rühren auch solche ähnliche Aus-drücke , von dem Umgänge beyder Völker, und von den Ver-änderungen her, die so oftmals die Pstanzstädte aus einemLande in ein weit entlegenes verseht haben ; denn es giebtfast keine Sprache mehr in der Welt, die ganz rein undsonder alle Vermischung wäre. Diese letzte Ursache indes-sen kömmt dem Herrn Freret nicht allemal hinlänglich ge-nug vor, und er glaubt: man müsse sich an die erste hal-ten , wenn diese Aehnlichkeit sich unter solchen Sprachenbefindet, die gar zu fern von einander sind, daß man unterdenen, die sie reden, einigen Umgang muthmaßen könnte. Dergelehrte HerrReland, führet in der XII seiner Oillertg-rion. ^ilcellun. a. d. 147 G. des n Tt). sechs Worte ausder alten Sprache der Sabiner an, die sonder alle Ver-änderung auch im Aerhiopischen vorkommen. Indes-sen würde man sehr kühn seyn , wenn man voraus setzenwollte, diese zwey Völker hätten sich eines mit dem andernvermenget.
Die neuern Sprachen biethen Beweise dar, daß dasgrammatikalische Wesen oftmals, trotz allen Veränderungenbestehen könne, die die Worte treffen können. Das heu-tige Französische, Italiänische und Spanische, sindfast aus lauter lateinischen Wörtern zusammen gesetzt, die
Z 2 durch