Zoo XXVIII. Des Herrn Abts
XXVIII.
Des Herrn Ms Renaudot Leben,
in der öffentlichen Versammlung nach
Ostern, 1721. abgelesen.
^usebius Renaudoe ward zu Paris den 20. Julie1646. gebohren, und war der älteste von vierzehnBrüdern oder Schwestern: deren Vater, nachdemer in seiner Kunst sehr vielen Ruhm erworben , im 1679.Jahre, als erster Leibarzt des verstorbenen Dauphins,gestorben.
Der Sohn, von welchem wir hier reden, gierig im n.Jahre in die Iesirirerschule: allwo er die gelehrten Spra-chen unter einem gewissen p. Davor erlernte, den er nichtlange überlebet hat; gegen den er aber allezeit so viel Hoch-achtung und Freundschaft behalten, daß sie sich alle Wochezum mindesten einmal besuchten: ein Umstand der um soviel merkwürdiger ist, da dieses vieleicht der einzige Jesuitwar, mit welchem er umgieng.
Er trat darauf in das Collegium zu Harcourr, nmdaselbst die Weltweisheit zu erlernen, deren Sätze er öf-fentlich lateinisch und griechisch behauptete; welches derSchule und dem Schüler gleich viel Ehre machte.
Man glaubt, die Begierde seine Studien noch weiterzu treiben, als die meisten Weltleute zu thun pflegen, seydamals der einzige Grund gewesen, so ihn bewogen in dengeistlichen Stand zutreten: denn er hatte nichts wenigerim Sinne, als sich jemals mit einem Orden zu verbinden,noch die Würden in der Sorbonne anzunehmen, noch sichmit einer Pfründe zu belästigen.
Er