Renaudot Leben. 501
Er überließ sich also aus freyer Wahl, und aus Nei-gung der Erlernung der erhabensten GottSgelahrtheit,allwoer sich bey weitem damit nicht begnügte, daß er nur den ge-meinen Spuren der Schulen folgte, sondern sich sogleichauf die Kenntniß der morgenländischen Sprachen, und nichtnur der Muttersprachen befliß, die zum Verstände des h.Textes so unentbehrlich sind, sondern auch der Nebensprachenund Mundarten, welche den ersten Grundwahrheiten ohneUnterlaß die Beyhülfe der mündlichen Sage leisten.
Die Vortheile, so er hieraus zu ziehen vermeynte, über-trafen gar bald seine Hoffnung.
Herr Arnaud arbeitete an dem Tractate, von derUn-veränderlichkeit des Glaubens vom heil- Abendmale: undda man in Frankreich noch keinen richtigen Begriff von demGlauben der morgenländischen Kirchen an dieses Geheim-niß hatte; so war es auch wohl nur aus einem der gutenSache ganz anständigen Vorurtheile geschehen: daß derVerfasser in den zween ersten Theilen, den gewöhnlichen Be-weisen der Verjährung, noch die Gleichheit der Meynun-gen der katholischen Kirche , mit denen Kirchen angeführet,die sich seit acht, zwölf und dreyzehn hundert Jahren, vonihr abgesondert haben: dahingegen die Reformirten mit ei-ner Gewißheit, die einen fast stutzig machen sollte, behaup-teten , das ganze Morgenland sey hierinnen mit ihnen ei-nerley Meynung.
Der Herr von Pompone, Herrn Arnauds Nef-fe und Staatssecretär bey den auswärtigen Angelegenhei-ten, schrieb an den Herrn Noinrel, französischen Abgesand-ten an dem Hofe zu Eonstantinopel, in diesem Stückealles zusammen zu treiben, was er nur von Zeugnissen inden morgenländischen Kirchen antreffen könnte, das mitdem Glauben der Römischkatholischen übereinstimmte. Die-ser Befehl des Ministers ward richtig bewerkstelliget: derGesandte sammlete und überschickte eine große Menge sol-