Band 
Fünfter Theil.
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192 XXIV. Gallier, über PlatonsGespräch,

den reinen Gegenständen, z. E- der Wahrheit, der Gerech-tigkeit, der Ehrbarkeit, der himmlischen und wesentlichenSchönheit beschäfftigek ist, deren Anblick ehemals ihre ganzeNahrung ausgemachet hat, sie durch die Kraft ihres Flu-ges, an den Ort ihres Ursprunges, steigen würde; daß dieSchönheit der Körper lediglich dazu diene, uns der göttli-chen Schönheit zu erinnern, die wir nur durch die grobenDecken sehen, die sie verhüllen; und daß man, durch Bey-hülfe dieser unvollkommenen Bilder, sich zur Beschauungdes Urbildes erheben müsse.

Zu solchen Absichten braucht Sokrares die Beredsam-keit. In seinem Munde, wird sie zu einem Werkzeugeder Vernunft und zu einer Schule der Tugend, phadrusaber hatte keinen solchen Begriff davon, er, der sich voneiner Art der Beredsamkeit hatte dahin reißen lassen, derenganzer Vorzug, darinn bestund, daß die Worce so zu reden,mit dem Zirkel abgemessen worden. Er gesteht es auchansitzt, daß des Lystas Reden, in Gegenhaltung derSokrarisiHm, ihm künftig kriechend vorkommen werden.

Und bey dieser Gelegenheit entdecket ihm der Weltweisedie Quellen der erhabenen Beredsamkeit, und räth ihm,in der Weltweisheit selbst zu schöpfen. Diese allein mußuns zur Kenntniß der Wahrheit und der Natur der Dingeverhelfen. Durch diese deutlichen Begriffe bemeistern wiruns der Herzen, und lenken sie wohin wir wollen; durchsie wird die Vernunft erheitert, und die Ueberzeugung ge-wirket. Die Weltweisheit lehret uns auch noch die Theileeiner Sache von einander absondern, sie gehörig austheilen,und sie dergestalt verbinden, daß die Rede gewissermaßen,ein belebter und beseelter Körper zu seyn scheint. Derwahre Weltweise ist auch im Stande die Geister zu unter-scheiden , und ihre verschiedene Verfassung ebAi so gut zukennen, als ein Arzt das Temperament seiner Kranken ken-nen soll. Er weis die Stellen zu treffen, wo man die See-len angreifen muß, und ihm sind die Zeiten bekannt, wo

man