Phadrus genannt. 19z
man schweigen, wo man reden, wo man sich kurz oderweitläufig erklären, die Stärke oder Gelindigkeik gebrau-chen, die Leidenschaften erregen oder mäßigen muß: nach-dem der Muth der Zuhörer angehalten oder angefeuert wer-den soll. perikles gelangte zu dieser Beredsamkeit, indemUmgänge mit dem Anaxagoras, welcher die Seele zu be-wegen, und Stacheln im Herzen zurück zu laßen wußte.
Sokraces führet endlich den phädrus auf die Er-lernung der rhetorischen Regeln, nur darum zurück, damiter aus selbigen, diejenigen Gedanken, die wir allein durchdie Weltweiöhcit erlangen, mit den gehörigen Schwün-gen und Ausdrücken vortragen lerne.
Diese Sätze nun leiten ihn auf die Untersuchung dervorhergegangenen Reden, und eben daraus schließt er, aufdie Güte und den Nutzen derer Vorschriften, welche diealten Meister der Wohlredenheit, oder auch die Lehrer sei-ner Zeit, gegeben hätten. Er zeiget, daß die fürchterli-chen Wörter, die man ersonnen hatte, bald diese, baldjene Figur auszudrücken, uns keinen blauen Dunst vor-machen börsten; daß sie höchstens gut wären, mit Lärmenzu machen, und uns zu betäuben: daß sie aber den Verstandweder stärkten noch erleuchteten; daß diese eitele Zierrakhesich sehr schlecht zu der an sich selbst so einfältigen Wahr-heit schickten; und daß die ernsthafte Beredsamkeit, diesengekünstelten Putz verachte: daß übrigens, wenn gleich dieseRegeln im Grunde nützlicher wären , man dennoch nichtviel darauf halten müßte, weil der Endzweck eines recht-schaffenen Mannes, wenn er redet, nicht dieser seyn soll,daß er durch harmonische Töne die Ohren kützele; denn daswäre ein Sklav, der andere Sklaven bezaubern wollte; daman hingegen sich bestreben muß, den Meistern, «und zwarden allerbesten Meistern, zu gefallen.
Gokrates beschließt dieses Gespräch mit einigen Erin-nerungen wegen der Sucht, die viele ihm bekannte Schrift-V. Th. der Gesth- N steller