Band 
Fünfter Theil.
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Phadrus genannt. 195

diese Aufschriften, zum Spotte, Hu-irrex genannt; weil esgleich viel war, wo man sie zu lesen anfieng, beym An-fange oder Ende: eben wie das geometrische Quadrat,allenthalben gleiche Linien zeiget, man sehe eö.von welcherSeite man wolle.

So geflissen der Herr Abt Gallier auch gewesen,die Einrichtung des platonischen Gespräches nicht zu ver-ändern, und dessen Sinn getreu mitzutheilen, so beschließter doch, indem er diejenigen, mit denen er redet, ersuchet:sie möchten sich ja erinnern, daß es unbillig seyn würde,dasjenige auf die Rechnung des Dichters zu setzen, waseigentlich der Fehler der spielenden Personen ist; und denHelden die schlechten Vortrage beyzumessen, die zuweilenvon ihren Gesandten abgestattet werden. Indessen ist eswahr, daß der Herr Gallier in diesem Stücke, bey wei-tem so viel Nachsicht nicht nöthig hat, als NlarsNius Fi-eln. Dieser Dollmetscher hat sein Aeußerstes gethan, dieSchriften des plaro verständlich zu machen, und wir ge-nießen noch täglich den Nutzen von seiner Einsicht- Hak eruns aber einestheils Hülfsmittel dargebothen, in die pla-tonische Weltweisheit zu dringen, so hat er uns auch des-sen Lehre verdunkelt, und er ist ein Wegweiser, der oftmalsaus der Bahne weicht.

Ob er gleich ein Philosoph seyn wollte, und bis aufdiesen Namen selbst, in großem Ansehen steht: so kannman sich doch heute zu Tage an seine Titel und Ehre wa-gen , wenn man von ihm nach seinen Schriften urtheilenwill. In Ansehung der Wahrheiten, ist er kalt, und inAnsehung des Wunderbaren, geräth er außer sich selbst.Die Decke der Allegorie, dienet ihm mehrentheils zurVerschönerung; das heißt, zur Verstellung der natürlichstenGedanken seines Schriftstellers, die dem Gegenstände, dener vor Augen gehabt, am gemäßesten waren. Er standin der Meynung, plato verberge allenthalben die tiefsin-nigsten Geheimnisse; und dieses eben müßte man zu denen

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