96 iv. Frerets Anweisung
Dieser letzte Theil machet eigentlich dasjenige aus, was mandas Grammatikalische einer Sprache nennet. Wir setzenzum voraus, daß keiner von denen, die dieses lesen wollen,dieser Erklärung nöthig haben werde. Und dieß vorausge-setzet, so muß man bemerken, daß es zwo verschiedene Gat-tungen von Verschiedenheiten, in den Mundarten einerSprache gebe.
In der ersten Gattung, gehen die grammatikalischenBeugungen, in einem Dialecte vom andern sehr wenig ab.Dergleichen waren die Iomsthen, Acolischen und Do-rischen bey den Griechen; dergleichen sind sie ncch itzt inder Gclavonischen, Russischen, pohlnischen, Böh-mischen, Croaristden und Bulgarischen. Dergleichensind endlich verschiedene Dialecte im Deutschen 7).
Die Verschiedenheiten der zweyten Gattung, sind ausder Vermischung zweyer Völker entstanden, welche zwo ganzverschiedene Sprachen redeten, die diese Vermischung der-gestalt vereinet und vermenget hat, daß eine jede von ihneneinen Theil derer Wörter verloren, die ihr eigen waren, in-dessen daß sie viele aus derjenigen Sprache angenommen,mit welcher sie sich vermengete.
Wenn nun diese Vereinigung zwoer Sprachen, durchdie Niederlassung eines gelehrten und gesitteten Volkes ineinem lande geschehen ist, dessen Einwohner es gezwungen,seine Gesetze, Sitten und Gebrauche anzunehmen, so hat siedie Sprache des überwundenen Volkes fast gänzlich vertil-get. Die Ueberwundenen trachteten den Ueberwindern zu
gleichen,
7) Der Herr Verfasser hat dische, ja selbst das Norwegi-Recht, wenn er hier der deut- sehe und Isländische mirrech-fchen Dialecte gedenkt, nur nek. Selbst das Englischeer erkläret sich nicht deutlich und Schottische ist davon nichtgenug, daß er zu diesen nicht auszuschließen, ^ weil beydenur das Ober-und Nieder- Sprachen ursprünglich deutschdeutsche, sondern auch das Hol- find: nur daß eine Menge Is-ländische, Dänische und Schwe- teinischer und französischer
Wörter,