Band 
Neunter Theil.
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458 L.xvi. Leben

als ob^er vollkommen gesund gewesen wäre: er merkete ausihre Reden; er redete so gar mit Sanftznukh und seiner gc- , ^wohnlichen Munterkeit mit, wann seine Kräfte solches zu-ließen. Man sah, daß er nach und nach eingieng: gleich-wohl unterließ keiner von allen, denen er es erlaubet hatte,mehr als vier Monathe lau?, ihn täglich zu besuchen. Die E

Unruhe, was von einem Augenblicke zum andern ihm zusto- D

ßen könnte, war ihnen noch unerträglicher, als dieser An-blick, so traurig er auch war.

Eine Seele, wie des Herrn Abtes von Rorhelinseine, die allezeit von seiner Tugend und Vernunft war ge- lM

lenket worden, war dazu gebildet, auch eine gotresfürchtige h»

Seele zu seyn. Es ist niemanden unbekannt, wie weit zu W

allen Zeiten seines Lebens, seine Ehrfurcht und Ergebenheit Hm

gegen die Wahrheiten der Religion gegangen sind: denn er all

ist allezeit von der Schwachheit, seine Gesinnungen zu ver-bergen, und von der Begierde, damit zu pralen, entfernetgeblieben. So oft die Gelegenheit vorfiel, diese Wahrhei-ten zu vertheidigen (in denen Zeiten aber, darinn wir le-ben, sind diese Gelegenheiten nicht selten) that er es allezeitmit Nachdrucke, doch ohne daß die Wahrheit der Ueberzeu-gung, seiner natürlichen Sanftmuth Abbruch that. Erglaubete, das würde der Wahrheit einen schlechten Dienstleisten heißen: wenn man zu ihrer Vertheidigung die Spra-che der Leidenschaften gebrauchen wollte. In der Ausübungper Religion, sah er mit einer vernünftigen fund erleuchtetenGottesfurcht die allgemeinen Pflichten, die er allezeit ge-treulich erfüllet hak, als die vornehmsten und wichtigstenvon allen an. Er glaubete, daß die Sonderlichkciten bloßein Werk des Eigensinnes, oder auch wohl der Eitelkeit sind.

Er hak mir eine einzige Pfründe besessen; nämlich dieAbte» von Lormcilles, nahe bey Listeux, zu welcher er1726 ernannt worden. Der schlechte Zustand, darinnen ersie fand, veranlasste ihn zu sehr ansehnlichen Ausgaben, zu

weichen