Band 
Neunter Theil.
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des Herrn Abtes von Rothelin. 457

überaus zärtlich liebete, diese Furcht zu ersparen. Er un-tcrhielt sie mit lauter Sachen, die fähig waren, sie zu über.reden, er wäre in der größten Sicherheit wegen seines Zu-standes. Man bewertete so gar noch in den letzten Tagenseiner Krankheit, so bald ein Anfall von Schmerzen, oderOhnmachten, die ihn zuweilen überfielen, vorüber war: daßer in seinem Gesichte eine gewisse Heiterkeit annahm, dieauch nicht die geringste Spur von demjenigen blicken ließ,was er erlitten hatte.

Eines Tages, da er es einem seiner Freunde an denAugen ansah, daß er sich durch diesen Zwang nicht blendenließ, rief er ihn naher zu sich, (denn damals war seine Stim-me fast ganz erloschen;) und sagete ihm: ich nehme inmeinem Gesichte Gelassenheit und Freude an; mehrkann ich für meine Freunde nicht thun.

Bey den Brustkrankheiten behält die Seele, bis in denletzten Augenblick, alle ihre Wirksamkeit: und wenn mansich über seinen Zustand nicht selbst in Irrthum stürzet, sohindert einen nichts an dem Anschauen eines Todes, der sichalle Augenblicke nähert, und sich unser nach und nach bemächti-gct. Alsdann kostet es Mühe, geduldig zu bleiben. Ich redehier von derjenigen gelassenen Geduld, die kein Aufsehenmachet, und keinen Zwang kostet: so war des Herrn Abtesvon Rochelin seine beschaffen. Diejenigen, die am näch-sten um ihn waren, und in denen Augenblicken, da man sichrecht so zeiget, wie man ist, haben bey ihin nicht den gering-sten Schein von Eigensinne, oder auch nur von Unruhe spü-ren können. Es schien, daß der Ausdruck, seine Seele inRuhe besitzen, recht für ihn gcmachet war.

Viele Monathe vor seinem Tode, da seine Schwach-heit ihm nicht mehr erlaubete, eine zahlreiche Gesellschaft zuertragen, blieb er bloß bey seiner Familie, und einer kleinenAnzahl guter Freunde stehen. Mit diesen grenz er um,

Ff; als