des Herrn Abtes Gedoyii. 467
Er unternahm die Bibliothek des photius zu über-sehen. Er fieng bey den wichtigsten historischen Stückenan, und sie stehen in seinen nachgelassenen Werken einge-drucket. Ferner beschädigte er sich, seine UebcrsehungMtMitilians nachzusehen und auszubessern; ein Werk, aufwelches er zehn ganze Jahre gewandt hakte, und dennoch, sovielen Beyfall es auch fand, glaubete, er habe es noch zufrühzeitig herausgegeben.
Er besaß eine gewisse Art von Großmuth, nach wel-cher er sich der Beschwerlichkeit einer solchen Arbeit, wie dasübersehen ist, unterzog; eine Arbeit, die in der That nützlichist, deren Verdienst aber niemals nach seinem wahren Wer-the geschähet wird. Viele erkennen gar nicht, wie groß dieSchwierigkeit dabey ist; andere suchen die Ucbersetzungmüberhaupt zu verachten, vieleicht, weil sie dadurch zu erwei-sen gedenken: sie hätten ihrer nicht nöthig. Noch andere end-lich lesen sie nur, um Fehler darinnen zu finden, die sie mitgroßem Fleiße aufmutzen; eine gewöhnliche Aussucht derer,die, da sie nichts aus sich selbst hervorbringen, in diesem fastallezeit unbilligen Tadel, eine Art einer Linderung ihrerEigenliebe suchen.
Auch eine vollkommene Uebersetzung, wenn es möglichwäre dergleichen zu finden, würde den Tadelrichtern nichtentgehen; auch solchem Tadel nicht einmal, dessen Ursprungweder die Bosheit, noch die Eifersucht sind. Es wäre nochnicht genug, wenn der Uebersetzcr die Sprache seines Ori-ginals, und die, in welche er übersetzet, gleich stark in seinerGewalt hatte; es wäre noch nicht hinreichend, daß er mitseinem Verfasser einerley Schwung der Einbildungskraftbesäße, und so zu reden, sich in seine Gemüthsart einkleiden,und seine Schreibart sich zu eigen machen könnte. DieSprachen haben eine jede, Arten von besondern Schönhei-ten, die ihnen eigen sind; und meinem gewissen Verhältnissezwischen dW Hauptbegriffe den die Wörter ausdrücken,
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