zu den Zehen Bänden der Geschichte. 77
nehmen auch die Schwierigkeiten zu. Wo will das hm?ZuleHt wird Gelahrtheit ein unbehülflischeS Ungeheuer wer-den, das unter seiner eigenen tast er liegen muß. Selbst die-ser täglich zunehmende Anwuchs der Dinge und Sprachen,die man lernen muß, machet Uebersetzungen unentbehrlich.Muß man ja der alten Geschichte kundig seyn: und manmuß es schlechterdings seyn; denn sie hak in allen Wissen-schaften allzutiefe Wurzel geschlagen: so gewinnt man durchdie Uebel-setzungen die Zeit und Muhe, alte Sprachen zu ler-nen. Man ersparet wenigstens den Raum im Kopfe, denfremde Worte einnehmen würden, für Begriffe von Dingen,die einem zu wissen viel nöthiger sind.
Zwar verabscheue und verwünsche ich die heillosen undzum Verderben alles guten Geschmackes abzielenden Anschlä-ge dererjenigen, welche, damit sie ihren dunkeln und dornig-ten Grillen aufhelfen, die sie unter dem gleißenden Namendes Christenthums verkaufen, auf die griechische und lateini-sche Literatur unbarmherzig schmähten; die sie doch in ihremLeben nicht geschmecket haben, und sie auch so gar an heili-ger Stelle unter dem verhaßten Namen des Heidenthumsstinkend zu machen suchen. Das ist der nächste Weg zurSchwärmerei), lind zum Gewissenszwangs, dessen Frucht ei-ne allgemeine Blindheit ist, dergleichen in den mittlern Zei-ten den Erdboden bedeckete. Die Herrschsucht kann sichkeinen gemächlichern Weg zur höchsten Gewalt bahnen, alseben diesen. Hergegen bin ich aber auch oftmals auf denblinden Eifer solcher Gelehrten unwillig geworden, die alles,was nicht griechisch und lateinisch ist, Barbarey schelten.Gleich, als ob die gesunde Vernunft, und der feine Geschmackan ein Volk, oder an ein Menschenalter gebunden wäre;gleich als ob außer diesen beyden Sprachen, keine andernrichtig und schön sprechen, und zum Vortrage höherer Wis-senschaften geschickt seyn könnten. Ich habe einen Manngekannt, Gott habe ihn selig, der sich einfallen ließ, in öffent-lichem Drucke zu behaupten: es verdiene keiner den Nameneines Gelehrten, der nicht lateinische, und noch dazu griechische