86 Erinnerungen und Zusätze
können sie dem Bestreben der Seele kein Genügen leisten,so wi'ederhohlet sie auf der Zunge roherer Völker einen unddenselben Ausdruck zu vielen malen; oder sie schärfet ihre Ge-sinnungen bey aufgeklärtem und artigern Völkern durchs Auf.häufen verschiedener gleich kräftiger und zu einem Zweckeabzielender Worte ein. Man schaffe also erst für eine Be-griffe und Empfindungen ihnen und ihren verschiedenenStuffen gemäße Begriffe herbey; so wird man, und nichteher, berechtiget seyn, die Schwäche der menschlichen Zungezu tadeln.
Auf der 72 Seite, zur 20 Zeile. Herodots Stelle,V, 27. habe ich in den kAilcellmeis hiplienstku; VIII. B.auf der zog S. eben so, wie Herr de la Barre, verbessert,ohne zu wissen, daß er mir darinn zuvorgekommen. Ich gebeihm also in so weit recht. Aber mit den beyden ersten Ver-suchen scheint er es nicht getroffen zu haben. In der erstenStelle I» izi. ist gar kein Widerspruch. Herodot will nichtsagen, daß die Perser bey ihren Opfern gar kein Feuer an-zündeten. Denn ein lebendiges Thier ohne Feuer opfern,ist eilt Widerspruch. Keines kann ohne das andere seyn.Denn eben in der Absicht schlachtete man Opferthiere, umsie zu kochen oder zu braten, und zu verzehren; nachdem manhem Götzen ein Stück davon gegeben, oder ihm, nach'Ge-wohnheit mancher Völker, das Maul mit der Schwarte ge-schmieret hatte. Herodot will also nur so viel sagen, daßdie Perser nicht nach Art der Griechen ihr Feuer, bey demsie ihre Opfer kocheten, auf erhabenen Altaren, sondern nurauf dem platten Boden anzündeten. Ueberdem hat auchHerr de la Barre das Wort s-ey-r, nicht wohl mit «3-resux, Rüchen, übersetzet. nennete man geschrstene
und mit Salz gemengte Gerste, welche man gleich beymEingänge der Opferceremonie dem Opferthiere noch vor des-sen Fällung zwischen die Hörner streuete, und es damit gleich-sam zum Leiden einsegnete.
Die zweyte Stelle, darüber Herr de la Barre sichZemachet hat, bedarf gleichfalls keiner Verbesserung. Daß
sie